„Ich bin nicht hier, um fünf Jahre Oberliga zu spielen“

Treue. Liebe. Tradition.

Geschäftsführer Sebastian Schmidt erklärt, warum nachhaltige Arbeit, Professionalität und Verlässlichkeit der Schlüssel zum Neuanfang des KFC Uerdingen sind.

Sebastian, du bist seit August 2025 der neue Geschäftsführer des KFC Uerdingen. Wie fühlt es sich an, diesen traditionsreichen Club in einer so herausfordernden Phase zu übernehmen?
Sebastian Schmidt: Es ist eine große Verantwortung – und gleichzeitig eine Ehre. Der KFC Uerdingen ist ein Verein mit enormer Tradition, Leidenschaft und einer besonderen Geschichte. Ich habe sehr schnell gemerkt, wie viele Menschen trotz aller Schwierigkeiten hinter diesem Club stehen. Natürlich sind die Rahmenbedingungen mit Insolvenzverfahren und dem Abstieg in die Oberliga alles andere als einfach. Aber gerade das macht es spannend: Hier kann man perspektivisch gestalten, aufbauen und einen echten Unterschied machen.

Wie war denn der Start für dich? Zum Teil wurdest du ja wahrscheinlich auch ins kalte Wasser geschmissen, oder?
Sebastian Schmidt: (lacht) Ja, das kann man so sagen. Es gab und gibt natürlich unglaublich viele Themen, die sofort auf meinem Tisch gelandet sind. Aber ich wusste vorher, worauf ich mich einlasse. Für mich ist das kein Problem, sondern eine Chance. Ich packe Dinge gerne direkt an. Natürlich merkt man schnell, wie viele Herausforderungen es gibt, aber ich habe auch erlebt, wie viel Leidenschaft und Hilfsbereitschaft in und um den Verein vorhanden sind. Das gibt mir Energie, jeden Tag mit voller Motivation an den Aufgaben zu arbeiten.

Du hast zuvor unter anderem als Geschäftsführer und Sportdirektor in der 1. Basketball-Bundesliga sowie im Volleyball auf höchstem Niveau gearbeitet. Deine Clubs waren auch im internationalen Wettbewerb unterwegs. Warum jetzt der KFC Uerdingen?
Sebastian Schmidt: Ich habe in den vergangenen Jahren bei diversen Erstligisten gearbeitet und federführend mitgewirkt, wie man professionelle Strukturen aufbaut, etabliert und erfolgreich arbeitet – sportlich wie wirtschaftlich. Dass es zwischen mir und dem KFC matchen kann, war schnell klar: Hier gibt es enormes Potenzial. Der Verein hat eine große Strahlkraft in der Region, aber er steckt eben auch in einer schwierigen Phase.
Ich bin nicht hierhergekommen, um fünf Jahre lang Oberliga zu spielen. Mein Anspruch ist es, den KFC mittelfristig wieder in die Regionalliga zu führen. Das muss nicht zwingend in diesem oder nächstem Jahr sein, aber mittelfristig schon. Dabei ist völlig klar, dass es keine One-Man-Show sein wird und kann.

„Zeigen, dass der KFC wieder ein verlässlicher Partner für Fans, Sponsoren, Stadt und Region ist!“

Viele sprechen von einem Neuanfang. Wie sieht Dein Weg dahin konkret aus?
Sebastian Schmidt: Das Wichtigste ist, nachhaltige und professionelle Strukturen aufzubauen. Wir müssen seriös arbeiten, Vertrauen zurückgewinnen und zeigen, dass der KFC wieder ein verlässlicher Partner für Fans, Sponsoren, Stadt und Region ist. Dazu gehört auch, die Menschen wieder näher an den Verein heranzuführen. Der KFC muss präsent und sichtbar sein – auf dem Platz, in der Stadt und in den Köpfen der Menschen.

Die Kostenstruktur rund um das Grotenburg-Stadion ist intern ein großes Thema. Warum ist das so entscheidend?
Sebastian Schmidt: Die Wahrheit ist: Ein Heimspiel in der Oberliga kostet uns in der Organisation genauso viel wie ein Heimspiel in der Regionalliga – Sicherheitskräfte, Sanitäter, Reinigung, Auflagen, alles bleibt gleich. Nur: In höheren Ligen haben wir ganz andere Einnahmenmöglichkeiten. Deshalb ist es so wichtig, den sportlichen Erfolg zurückzuholen. Es geht nicht darum, einfach durchzuwurschteln, sondern darum, Strukturen zu schaffen, die Wachstum ermöglichen.

„Beeindruckend, wie die Fans das Team nach teilweise harten Niederlagen weiter unterstützt haben!“

Wie bewertest Du den bisherigen sportlichen Verlauf der Saison?
Sebastian Schmidt: Der Start war sicherlich durchwachsen, das muss man ehrlich sagen. Aber man darf nicht vergessen: Wir haben ein sehr junges Team, das sich noch entwickeln muss und auch wird. Unsere sportliche Leitung und das Trainerteam arbeiten Tag für Tag mit Hochdruck daran, die Mannschaft weiterzubringen – taktisch, spielerisch und mental. Besonders beeindruckend war für mich, wie die Fans das Team nach teilweise harten Niederlagen weiter unterstützt haben. Diese Treue ist nicht selbstverständlich und zeigt, welche Kraft in der KFC-Familie steckt. Zuletzt haben wir vier Siege in Folge, darunter auch „dreckige Arbeitssiege“, eingefahren und uns sehr teuer gegen den MSV Duisburg im FVN-Pokal verkauft. An diese Entwicklung wollen wir nun am Wochenende nahtlos anknüpfen.

Das Pokalspiel gegen den MSV Duisburg liegt inzwischen ein paar Wochen zurück. Mit etwas Abstand – wie blickst Du auf diesen Abend in der Grotenburg zurück?
Sebastian Schmidt: Das war ein ganz besonderer Abend – sportlich, organisatorisch und emotional. Über 9.000 Menschen in der Grotenburg, eine großartige Atmosphäre und eine Mannschaft, die sich gegen den Tabellenführer der 3. Liga wirklich gut verkauft hat. Auch wenn es am Ende nicht für die Sensation gereicht hat, können wir stolz auf unseren Auftritt sein.
Organisatorisch lief alles sehr professionell ab. Der kurzzeitige Flutlichtausfall war natürlich nicht planbar, aber alle – insbesondere die Mitarbeiter der Stadt Krefeld – haben in dieser Situation toll reagiert und sofort Lösungen gefunden.
Man hat an diesem Abend gespürt, was die Grotenburg und der KFC Uerdingen für viele Menschen bedeuten. Diese Energie nehmen wir mit für alles, was noch vor uns liegt.

Zuletzt war natürlich auch die Bespielbarkeit des Rasens in der Grotenburg ein Thema. Das Heimspiel gegen Ratingen musste verlegt werden. Wie ist der aktuelle Stand?
Sebastian Schmidt: Die Witterung und die hohe Belastung des Spielfelds haben dem Rasen zuletzt stark zugesetzt, weshalb das Heimspiel gegen Ratingen leider nicht stattfinden konnte. Die Stadt Krefeld und die Greenkeeper arbeiten jedoch intensiv daran, den Platz schnellstmöglich wieder in einen guten und spielfähigen Zustand zu bringen.
Ich stehe im engen und regelmäßigen Austausch mit der Stadt, und wir sind alle zuversichtlich, dass wir bereits am 15. November unser Heimspiel gegen Schonnebeck wieder in der Grotenburg austragen können. Alle Beteiligten ziehen an einem Strang.

Der KFC Uerdingen feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Vereinsjubiläum. Was ist für diesen besonderen Anlass geplant?
Sebastian Schmidt: 120 Jahre KFC Uerdingen – das ist ein unglaublicher Meilenstein, auf den man stolz sein kann. Dieses Jubiläum steht nicht nur für unsere Tradition, sondern auch für den Zusammenhalt und die Leidenschaft, die diesen Club über Jahrzehnte getragen haben.
Am 29. November 2025 feiern wir diesen besonderen Geburtstag mit einer großen 120-Jahr-Party in der „KuFa“ in Krefeld. Wir wollen gemeinsam mit unseren Fans, Partnern, Wegbegleitern und Freunden des Vereins einen ausgelassenen, fröhlichen Abend verbringen, der zeigt, was den KFC ausmacht: Emotion, Geschichte und Gemeinschaft.
Der Ticketvorverkauf startet in den nächsten Tagen, und wir freuen uns schon jetzt auf viele bekannte Gesichter und eine volle „KuFa“.

„Bargeldloses Bezahlen im Gastro-Bereich hat mehrere Vorteile!“

Ab sofort kann man an den Speisen- und Getränkeständen im Stadion nur noch bargeldlos zahlen. Warum ist das so?
Sebastian Schmidt: Wir wollen mit der Zeit gehen. Bargeldloses Bezahlen im Gastro-Bereich hat mehrere Vorteile: Wir beugen möglichem Diebstahl vor, beschleunigen die Abläufe und geben unserem Service-Personal die Möglichkeit, sich voll auf das Bedienen zu konzentrieren. Insgesamt geht es darum, moderne, effiziente und sichere Prozesse einzuführen.

Welche Rolle möchtest Du im Verein einnehmen, und wie siehst du deine Aufgabe im täglichen Miteinander mit Fans, Partnern und Stadt?
Sebastian Schmidt: Für mich ist wichtig, dass man als Geschäftsführer nicht nur im Hintergrund arbeitet, sondern auch sichtbar ist – nach innen und nach außen. Ich möchte Ansprechpartner sein, Brücken bauen und die verschiedenen Gruppen zusammenbringen.
Der KFC lebt von der Leidenschaft seiner Fans, von engagierten Ehrenamtlichen, von Partnern in Wirtschaft und Politik. Meine Aufgabe sehe ich darin, diese Menschen mitzunehmen, zu begeistern und durch Taten zu überzeugen. Ich will zeigen: Wir sind da, wir arbeiten seriös, wir stehen für Verlässlichkeit – und wir haben den Anspruch, den KFC Schritt für Schritt wieder dorthin zu führen, wo er hingehört.

Zum Abschluss: Was ist Deine Botschaft an die Fans?
Sebastian Schmidt: Zunächst einmal: Danke! Danke, dass die Fans dem Verein die Treue halten, auch in extrem schwierigen Zeiten. Wir brauchen diese Unterstützung mehr denn je. Wir wollen die Grotenburg wieder zu einem Ort machen, an dem Fußball, Gemeinschaft und Leidenschaft im Mittelpunkt stehen. Das schaffen wir nur zusammen.

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