KFC-Serie „Ehrenamt“: Die „Ruhe in Person“ flitzt durch den Eiskanal

Treue. Liebe. Tradition.

Es gibt Momente, in denen muss es schnell gehen. Wenn zum Beispiel eine Auswechslung von dem einen Moment zum anderen umgewandelt wird: Doch nicht Dave Fotso Youmssi rein, sondern Till Weingarten. Oder umgekehrt: Statt dem angedachten Wladimir Wagner soll Daiki Kamo raus. Meist wird es dann im Bereich des Spielfeldrande hektisch, laut und unübersichtlich. Trikots werden herumgereicht, Kommandos gerufen und widerrufen. Sarah Hückelhoven bleibt in solchen Momenten cool. Sie ist in unserer neuen Serie „Ehrenamtler beim KFC Uerdingen“ die erste Person, die wir euch näher vorstellen wollen.

Sarah Hückelhoven ist an der Seitenauslinie bei einem Spielerwechsel. Foto: KFC Uerdingen / S&P

Bei den geschilderten Szenen ist Sarah mittendrin – und dabei herrlich entspannt. Während anderen wahrscheinlich der (Angst-)Schweiß auf die Stirn schießen würden, bleibt sie sichtlich cool. Bei ihrer Aufgabe, der korrekten Bedienung der Auswechseltafel, bringt sie wenig aus der Ruhe. Würde die 33-Jährige dabei einen Fehler machen, sähe es das ganze Stadion. Es wäre zwar kein Weltuntergang, wenn statt einer 14 eine 17 auf dem Display flimmern würde, aber verwirrend wäre es schon. Nicht wenige würden sich verwundert den Kopf kratzen, und spätestens beim zweiten Fauxpas würde man an ihrer Fähigkeit zweifeln, das Gerät korrekt zu bedienen.

Noch entspannter bleibt sie bei ihrer zweiten Aufgabe im Rahmen eines Spieltages des KFC Uerdingen: Der Betreuung der Einlaufkinder. Würde sie bei mindestens 22 Kindern, Betreuern und Trainern in Panik verfallen: Gute Nacht. Tut sie aber nicht. Obwohl es kurz vor dem Anpfiff im Spielertunnel besonders quirlig ist und gefühlt tausend Fragen auf sie einprasseln, bleibt sie auch hier tiefenentspannt. Sie schafft es, die jungen Kicker geräuschlos den Spielern an die Seite zu stellen und nach der Einlauf-Prozedur auch wieder unbeschadet in den Katakomben zu empfangen. „Klar ist da häufig viel Aufregung dabei, aber das schaffen die Kids häufig fast ganz alleine“, sagt Sarah, die bei ihren Jobs von Florentina unterstützt wird.

Sarah Hückelhoven bei ihrem großen Hobby, der Leichtathletik.

Woher kommt diese Ruhe bei Sarah? Es wird wohl zu einem großen Teil in ihrem Gemüt liegen – einhergehend mit ihrem großen Hobby, der Leichtathletik. Hier ist gerade vor dem Start höchste Konzentration gefragt. Hektik, Panik oder sonstigen Szenen wären da unproduktiv. Für den TuS Oedt dreht sie seit rund 30 Jahren Runde um Runde. Wobei der Begriff „Runden“ eigentlich nicht korrekt ist. Meist ist es nur ein Teil einer Runde, den sie zurücklegt. Als Sprinterin ist sie über 60, 100 oder 200 Meter aktiv. Nuancen von Sekunden entscheiden hier über Sieg oder Niederlage, über Jubel oder Trauer. Ihr zweites Steckenpferd: Der Dreisprung, mal einfach, mal aber auch dreifach. Wie auch immer: Die Leichtathletik war und ist über Jahre ihr Lebensinhalt gewesen – bis jetzt. Denn seit einigen Monaten geht sie fremd.

Sarah will in den Weltcup

Ihre Power im Antritt ist nicht verborgen geblieben und so geht sie einen Weg, den einige Sprinter schon vor ihr gegangen sind: Sie schiebt einen Bob, genauer: einen Zweierbob. Beim BSC Winterberg rackert sie, um bald im Weltcup anzutreten. Mal alleine, mal zusammen mit Jana Vollmer, die mit ihr im Bob sitzen wird, schiebt sie den Schlitten – aktuell noch zu Trainingszwecken meist am Wochenende – an. Wieder und wieder und wieder.

Sarah am Schlitten: Jetzt heißt es, schnell an Geschwindigkeit zu gewinnen, um das schwere Gerät anzuschieben.

Beim Bobfahren, auch Formel 1 des Wintersports genannt, entscheidet die Startphase massiv über Sieg oder Niederlage: Was man am Start verliert, kann man auf der Strecke kaum mehr aufholen. Für einen Bob-Anschieber kommt es daher vor allem auf eine extreme Kombination aus maximaler Schnellkraft, Explosivität und fehlerfreier Technik an – und genau davon haben die Späher beim BSC Winterberg bei Sarah einiges erkannt.

Extrem schnell auf „Vollgas“

Explosivität und Schnellkraft sind Grundvoraussetzungen, denn als Anschieberin muss sie den schweren Schlitten aus dem Stand innerhalb weniger Meter auf eine möglichst hohe Geschwindigkeit beschleunigen. Sarah ist, wie viele Sprinter, keine Bohnenstange. Ausgestattet mit hoher Muskelmasse ist sie in der Lage, extrem schnell zu laufen – binnen ganz kurzer Zeit. Erst mit dem nötigen Gewicht bringt sie die nötige Wucht aufs Eis. Ein Marathonläufer, Kategorie Strich in der Landschaft, wäre hier also vollkommen deplatziert. Eine Untersuchung aller Resultate der olympischen Winterspiele 2018 ergab, dass schwerere Athletinnen und Athleten im Eiskanal einen Vorteil hatten.

Hier ist Sarah aktuell häufig anzutreffen: In der Anschiebehalle in Winterberg.

Trotz aller Vorteile durch ihre leichtathletische Ausbildung ist das Bobsport-Metier natürlich für sie neu: Sie lernt nun seit einiger Zeit, sich eine gute Start- und Anschubtechnik anzueignen. Ausgestattet mit Eisspikes muss sie ihre Schritte kraftvoll nach hinten setzen. Dabei geht es darum, ihre Kraft auf den Schlitten, der mindestens 105 Kilogramm wiegen muss, zu übertragen. „Im Training schieben wir bis zu 170kg an. Der Wettkampfschlitten hat 150kg“, sagt sie.

Die Chemie muss stimmen

Neben all der Kraft und der Technik muss natürlich die Chemie zwischen den Insassen des Bobs stimmen, es muss harmonieren. Um ein Ausbrechen oder Ruckeln des Bobs in der Startspur zu verhindern, müssen die Insassen synchron laufen und dann in den Bob einsteigen bzw. einspringen. Hier zählen jeder Millimeter und jede Zehntelsekunde. Wird der Einstieg verpatzt, ruiniert das die Aerodynamik, was sofort wertvolle Zeit kostet. Sitzen Pilot und Anschieber schließlich im Bob, muss sich letzterer so tief und kompakt wie möglich machen. Der Kopf wird extrem tief abgelegt, um dem Fahrtwind bei Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Während der Pilot lenkt, verhält sich der Anschieber absolut passiv, geht mit den Fliehkräften der Kurven mit und sorgt am Ende im Zielbereich für das sichere Abbremsen des Bobs. Hört sich alles mächtig kompliziert an, ist es auch. Der Weg von der Laufbahn in den Eiskanal ist ein langer.

Dass Sarah ihn aber gehen will, unterstreicht sie mit ihrem Engagement. Mehrfach im Monat geht es nach Winterberg, um dort zu trainieren. Und das nicht nur parallel zum KFC, sondern natürlich auch zu ihrem Job. Als Marketing-Expertin bei Aldi sorgt sie unter anderem für die Prospekte, die jeder von uns kennt.

Ein Leben zwischen Außenlinie, Eiskanal und Leichtathletik – wow!

Bock auf Ehrenamt? Melde dich!

Du hast Bock auf ein „Ehrenamt“ beim KFC Uerdingen? Kein Problem! Die Tätigkeitsfelder sind vielfältig, wir können nahezu jeden gebrauchen. Melde dich unter info@kfc05.de und wir kommen auf dich zu!