Nach der vierten Heimniederlage in Folge gegen den 1. FC Monheim bleibt die sportliche Situation beim KFC Uerdingen angespannt. Trotz größerer Spielanteile gelang es der Mannschaft erneut nicht, diese in Tore und Punkte umzumünzen. In der neuen Ausgabe von „Der Trainer spricht“ blickt Christian Höfer auf die Niederlage zurück, spricht über die fehlende Durchschlagskraft im letzten Drittel, die weiterhin ausbaufähigen Standardsituationen und die notwendigen Veränderungen innerhalb der Mannschaft. Zudem erklärt er, wie die spielfreien Wochen bis zum Auswärtsspiel in Ratingen genutzt werden sollen und welche Rolle dabei auch mögliche Testspiele spielen.
Frage: Christian, nach den Auftritten gegen Hilden und Jüchen war zuletzt zumindest eine etwas positivere Entwicklung erkennbar. Gegen Monheim folgte nun allerdings die vierte Heimniederlage in Folge. Trotz größerer Spielanteile gelang es uns nur selten, wirklich zwingende Torchancen herauszuspielen. Wie bewertest du diesen erneuten Rückschlag mit etwas Abstand und was hat dir am Auftritt unserer Mannschaft besonders gefehlt?
Christian Höfer:
„Aus meiner Sicht war das aufgrund des Ergebnisses natürlich ein Rückschlag, fußballerisch allerdings kein riesiges Drama. Wir waren über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft und haben den Gegner aus meiner Sicht auch beherrscht. Monheim hat in den gesamten 90 Minuten lediglich dreimal auf unser Tor geschossen. Leider hat dann eine unserer wenigen defensiven Unaufmerksamkeiten ausgereicht, damit der Gegner in Führung geht.
Dass es anschließend schwierig wird, gegen eine Mannschaft zurückzukommen, die selbst nicht besonders viel für das Spiel getan hat und sich vor allem auf die Defensive konzentriert, ist leider nun einmal nicht ungewöhnlich.
Was mir weiterhin fehlt, ist die nötige Durchschlagskraft im letzten Drittel. Wir müssen dort deutlich zwingender werden und unsere Angriffe konsequenter zu Ende spielen. Gerade in den Situationen, die wir insbesondere gegen Ende des Spiels hatten, müssen wir den Ball dann auch einfach mal im Tor unterbringen.
Wir können uns am Ende von Spielanteilen nichts kaufen. Fußball ist und bleibt Ergebnissport. Entscheidend ist, dass wir aus unseren Spielanteilen auch Tore machen und uns für den betriebenen Aufwand belohnen. Genau das ist uns gegen Monheim erneut nicht gelungen.“
Frage: Gegen tief stehende und kompakt verteidigende Mannschaften tun wir uns schon seit längerer Zeit schwer, spielerische Lösungen zu finden. Auch gegen Monheim hatten wir mehr Spielanteile und Offensivaktionen, häufig fehlten aber der entscheidende Pass, die nötige Präzision oder wir spielten gewisse Situationen zu unsauber zu Ende. Gerade weil wir in dieser Liga regelmäßig auf Gegner treffen, die alles auf dem Platz lassen und das Spiel gegen den KFC als besonderes Highlight betrachten, stellt sich die Frage: Wo siehst du die Hauptursachen für unsere wiederkehrenden Offensivprobleme und wie können wir diese künftig besser lösen?
Christian Höfer:
„Wir spielen bis ins letzte Drittel grundsätzlich ordentlichen Fußball. Das Problem liegt momentan vor allem darin, wie wir unsere Angriffe anschließend zu Ende bringen und wie wir uns gegen tief stehende Gegner entscheidende Vorteile erarbeiten.
Für mich ist dabei ein ganz wichtiger Schlüssel, Eins-gegen-eins-Situationen so zu lösen, dass wir unseren direkten Gegenspieler überwinden und dadurch neue Räume schaffen. Genau das gelingt uns momentan viel zu selten, teilweise sogar überhaupt nicht.
Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Manchmal treffen wir in diesen Situationen die falsche Entscheidung oder dribbeln unseren Gegenspieler nicht richtig an. In anderen Momenten agieren wir unter Gegnerdruck technisch zu unsauber oder werden in unseren Aktionen zu hektisch. Dadurch schaffen wir es nicht, die eigentlich guten Ausgangssituationen konsequent auszuspielen.
Wir müssen in diesen Momenten wieder ein gewisses Selbstverständnis entwickeln und mit mehr Überzeugung auftreten. Dazu gehört vor allem, am Ball ruhiger zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Noch wichtiger ist aber die Ruhe im Kopf. Wenn wir in diesen Situationen zu hektisch werden, fehlt uns die nötige Klarheit, um unsere Angriffe erfolgreich abzuschließen.
Genau daran werden wir in den kommenden Trainingseinheiten intensiv arbeiten. Wir müssen wieder dahin kommen, auch unter Druck saubere Lösungen zu finden und unsere spielerische Überlegenheit im letzten Drittel in wirklich gefährliche Aktionen umzusetzen.“
Frage: Wir haben bereits in der vergangenen Woche über unsere Standardsituationen gesprochen. Damals hast du angekündigt, unter anderem an der Ausführung und Positionierung zu arbeiten sowie neue Varianten einzustudieren. Gegen Monheim gab es erneut zahlreiche Eckbälle, aus denen allerdings kaum Torgefahr entstand. Wie bewertest du unsere bisherigen Fortschritte in diesem Bereich und woran liegt es aus deiner Sicht, dass wir daraus bislang so wenig Kapital schlagen?
Christian Höfer:
„Das Verhältnis von 12:1 Eckbällen ohne einen entsprechenden Ertrag spricht eigentlich schon für sich. Das ist am Ende einfach absolut nicht ausreichend und entspricht natürlich auch nicht unserem eigenen Anspruch.
Ich finde allerdings schon, dass wir unsere Standardsituationen gegen Monheim zumindest etwas besser ausgeführt haben als noch in den Spielen zuvor. Die Bälle kamen aus meiner Sicht insgesamt besser in die gefährlichen Räume. Trotzdem hat uns letztlich auch hier wieder der letzte Tick gefehlt, um daraus wirklich Kapital zu schlagen. Teilweise waren wir nah dran, aber am Ende hat eben der entscheidende Abschluss oder die letzte Konsequenz gefehlt.
Wir wissen, wie wichtig Standards gerade in engen Spielen sein können. Wenn du aus dem laufenden Spiel heraus Schwierigkeiten hast, gegen einen kompakten Gegner klare Torchancen zu kreieren, können ruhende Bälle ein entscheidender Faktor sein. Deshalb müssen wir in diesem Bereich einfach effektiver werden.
In den kommenden beiden Wochen werden wir das Thema Standards noch einmal grundsätzlich überdenken und uns Gedanken darüber machen, wie wir diese Situationen künftig anders nutzen und ausspielen können. Es geht darum, neue Lösungen zu finden und gegebenenfalls auch unsere bisherigen Abläufe und Varianten anzupassen.
Auch hier gilt: Wir müssen die Dinge kritisch hinterfragen und bereit sein, Veränderungen vorzunehmen. Denn bei der Anzahl an Standardsituationen, die wir uns erarbeiten, muss am Ende einfach deutlich mehr herausspringen.“
Frage: Nun steht zunächst ein spielfreies Wochenende an, bevor mit Ratingen auswärts und anschließend dem für unsere Fans besonders wichtigen Heimspiel gegen den Wuppertaler SV zwei anspruchsvolle Aufgaben warten. Du hast zuletzt mehrfach betont, dass ihr die bisherigen Leistungen intern kritisch hinterfragt. Wie wollt ihr die kommenden beiden Wochen nutzen, um die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen? Sind beispielsweise Testspiele vorgesehen, wie sieht die Trainingsplanung aus und welche konkreten Veränderungen möchtest du gegen Ratingen auf dem Platz sehen?
Christian Höfer:
„Wir werden die kommenden beiden Wochen genauso intensiv nutzen wie eine normale Trainingswoche im Meisterschaftsbetrieb. Es wird keine zusätzlichen freien Tage oder eine längere Pause geben. Das ist in unserer aktuellen Situation auch überhaupt nicht möglich und wäre aus meiner Sicht der falsche Ansatz.
Bereits am Freitag werden wir beim OSV Meerbusch ein Testspiel bestreiten. Möglicherweise werden wir zu Beginn der darauffolgenden Woche noch ein weiteres Testspiel einbauen. Uns geht es dabei vor allem darum, unsere Abläufe weiter zu festigen und immer wieder gezielt in die Spielsituationen zu kommen, die uns momentan noch Schwierigkeiten bereiten.
Gerade für unsere Offensivspieler ist es wichtig, wieder Selbstvertrauen zu tanken. Das gelingt am besten über Erfolgserlebnisse auf dem Platz. Wir müssen wieder ein besseres Gefühl für unsere offensiven Aktionen entwickeln, mehr Sicherheit in unseren Entscheidungen bekommen und uns auch mit Toren belohnen. Ich erhoffe mir, dass uns die angesetzten Testspiele dabei helfen können.
Darüber hinaus werden wir die Zeit für zahlreiche interne Gespräche nutzen. Dabei geht es natürlich um die Vorbereitung auf die kommenden Aufgaben gegen Ratingen und den Wuppertaler SV, aber auch um die weitere sportliche Entwicklung unserer Mannschaft und die Planungen im Hinblick auf das kommende Transferfenster.
Wir müssen unsere aktuellen Schwächen ganz genau analysieren, klar benennen und offen ansprechen. Anschließend müssen wir gemeinsam prüfen, welche Möglichkeiten wir derzeit haben, um die notwendigen Veränderungen vorzunehmen.
Entscheidend ist, dass wir die nächsten beiden Wochen intensiv und zielgerichtet nutzen. Wir wissen, dass wir in einigen Bereichen nachlegen müssen, und genau daran werden wir arbeiten. Unser Anspruch muss es sein, die erkennbaren spielerischen Ansätze weiterzuentwickeln, unsere Schwächen abzustellen und uns in den kommenden Spielen endlich auch wieder mit entsprechenden Ergebnissen zu belohnen.“



