Nach dem bitteren Pokalaus im Elfmeterschießen gegen den VfB Hilden richtet sich der Blick beim KFC Uerdingen bereits auf die nächste Aufgabe. Trotz der Niederlage zeigte die Mannschaft über 120 Minuten eine positive Reaktion auf die enttäuschenden Auftritte der vergangenen Wochen. In der neuen Ausgabe von „Der Trainer spricht“ blickt Christian Höfer auf den Pokalabend zurück, spricht über die intensive Aufarbeitung der vergangenen Spiele, notwendige Veränderungen innerhalb der Mannschaft und die besondere Unterstützung der Fans. Zudem erklärt er, worauf es am Sonntag im Auswärtsspiel gegen Jüchen-Garzweiler ankommen wird.
Frage: Christian, einen Tag nach dem Pokalauftritt gegen Hilden und dem denkbar bitteren Ausscheiden im Elfmeterschießen: Wie groß ist die Enttäuschung bei euch? Und was hat aus deiner Sicht letztlich gefehlt, um dieses enge Spiel bereits in den 120 Minuten für euch zu entscheiden?
Christian Höfer:
„Die Enttäuschung ist natürlich groß. Wir hatten das klare Ziel, unseren Fans ein mögliches Spiel gegen RWE, MSV oder Fortuna Düsseldorf zu ermöglichen. Das wäre für unsere Fans, den gesamten Verein, aber auch für die Mannschaft sicherlich ein absolutes Highlight in der Saison gewesen.
Letztlich müssen wir aber festhalten, dass wir leider in der Lotterie Elfmeterschießen ausgeschieden sind. Dabei gibt es von meiner Seite überhaupt keinen Vorwurf an Justin oder Dave. Entscheidend ist für mich, dass die Jungs Verantwortung übernommen haben. Das gehört zum Fußball dazu.
Momentan fehlt uns in einigen Situationen einfach auch das nötige Spielglück. Ich denke da vor allem an die große Chance von Wladi in der Verlängerung, als er den Torwart am Kopf trifft. Das ist sinnbildlich für unsere aktuelle Situation. Wichtig ist aber, dass wir uns diese Chancen überhaupt herausspielen und in solche Situationen kommen.
Wir müssen weiter hart arbeiten und dürfen nicht nachlassen. Dann werden diese Dinger irgendwann auch wieder reingehen. Wir sind fest davon überzeugt, dass der Erfolg zurückkommen wird.“
Frage: Nach zwei verdienten Heimniederlagen in Folge zeigte deine Mannschaft gestern über die gesamten 120 Minuten eine verbesserte und vor allem konstantere Leistung. Insbesondere die von dir häufig eingeforderten Tugenden wie Aktivität, Aggressivität und Intensität waren über die gesamte Spielzeit erkennbar. Wie hat die Mannschaft auf die Niederlage gegen Solingen reagiert, und was habt ihr gegen Hilden konkret verändert und besser gemacht?
Christian Höfer:
„Die Mannschaft hat das Fußballspielen ja nicht verlernt. Wir haben uns in den vergangenen Tagen sehr intensiv mit unserer Situation beschäftigt. Dabei haben wir nicht nur die letzten beiden Wochen analysiert, sondern den gesamten Zeitraum vom Sommer bis heute betrachtet.
Wir haben viele Steine umgedreht, zahlreiche Dinge kritisch hinterfragt und auch konstruktiv und zielorientiert miteinander gestritten. Das gehört dazu, wenn man etwas verändern möchte. Entscheidend ist, dass wir alle dasselbe Ziel verfolgen: Erfolg für den KFC Uerdingen. Dieser steht über allem.
Ich habe in den vergangenen Wochen häufiger angesprochen, welche Dinge uns aktuell fehlen. Ein Beispiel sind die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen, aber auch innerhalb dieser. Das haben wir der Mannschaft noch einmal deutlich aufgezeigt und gegen Hilden bereits wesentlich besser umgesetzt.
Die Jungs wissen selbst, worum es geht und für wen sie auf dem Platz stehen. Das ist eine große Verantwortung, der wir gerecht werden wollen. Auch Aussagen wie ‚Wir müssen alles auf dem Platz lassen‘ dürfen nicht nur leere Worte bleiben. Genau das hat die Mannschaft gestern über 120 Minuten hervorragend umgesetzt.
Wichtig ist jetzt allerdings, dass diese Leistung keine Eintagsfliege bleibt, sondern zu unserem Standard wird. Natürlich sind wir am Ende ausgeschieden und darüber sind wir enttäuscht. Mindestens genauso wichtig war für mich in diesem Spiel aber die Reaktion der Mannschaft auf die vergangenen Wochen.“
Frage: Aus den vergangenen fünf Ligaspielen konnte die Mannschaft lediglich einen Sieg mitnehmen. Entsprechend groß war zuletzt auch die Unzufriedenheit vieler Fans mit den gezeigten Leistungen. An welchen Stellschrauben wollt ihr in den kommenden Trainingswochen gezielt drehen, und wo siehst du persönlich aktuell den größten Verbesserungsbedarf innerhalb der Mannschaft?
Christian Höfer:
„Wir müssen vor allem die Intensität dauerhaft hochhalten, unsere Mentalität stabilisieren und unsere Abläufe weiter festigen. Wenn uns das gelingt, wird auch das Selbstvertrauen zurückkommen. Dann greifen die Automatismen wieder besser und wir werden Schritt für Schritt auch wieder besseren Fußball spielen.
Es geht darum, eine gewisse Konstanz in unser Spiel zu bekommen und die Dinge, die wir uns vornehmen, nicht nur phasenweise, sondern dauerhaft umzusetzen.
Sicherlich müssen wir auch innerhalb unserer Kaderstruktur einige Anpassungen vornehmen. Aber auch hier haben wir die Situation sehr intensiv, hart und klar analysiert. Vorstand, sportliche Führung und Trainerteam sind sich über den eingeschlagenen Weg einig. Wir wissen, dass wir gewisse Dinge verändern und anpassen müssen. Daran arbeiten wir gemeinsam und mit voller Überzeugung.“
Frage: Nach dem verlorenen Elfmeterschießen wurde es gestern vor der Kurve noch einmal emotional, als die Fans gemeinsam die Vereinshymne anstimmten. Trotz der turbulenten vergangenen Wochen haben sie die Mannschaft über mehr als 120 Minuten leidenschaftlich unterstützt. Wie hast du gemeinsam mit der Mannschaft die vergangenen beiden Wochen und insbesondere diese Momente nach dem Pokalspiel wahrgenommen?
Christian Höfer:
„Wir können uns bei unseren Fans einfach nur bedanken! Das gilt nicht nur für die Unterstützung über die gesamten 120 Minuten, sondern auch für die Ansprache der Fans vor dem Spiel. Das ist alles andere als selbstverständlich und zeigt einmal mehr, wofür dieser Verein steht: Liebe, Zusammenhalt und eben auch Schmerz.
Am Ende ist für mich eines ganz wichtig: Wir müssen hart und ehrlich arbeiten. Wenn die Menschen sehen, dass wir alles für diesen Verein geben, dann wird uns auch vieles verziehen. Das ist das Mindeste, was wir unseren Fans zurückgeben können und wollen.
Dass die vergangenen beiden Wochen emotional waren, ist doch völlig klar. Wir sind mit dem Ziel Aufstieg in die Saison gegangen und haben dementsprechend auch hohe Erwartungen an uns selbst. Dazu kamen die Ausfälle von Ole und Vincent, die uns natürlich sehr wehtun.
Dadurch mussten wir innerhalb der Mannschaft eine neue Statik finden. Solche Veränderungen greifen nicht immer sofort, sondern benötigen manchmal etwas Zeit. Trotzdem wissen wir, dass wir liefern müssen und welche Verantwortung wir gegenüber diesem Verein und seinen Fans tragen.
Die Unterstützung gestern hat noch einmal deutlich gemacht, was hier gemeinsam möglich ist.“
Frage: Bereits am Sonntag geht es auswärts zum punktgleichen Konkurrenten Jüchen-Garzweiler. Was erwartet den KFC dort, und worauf wird es ankommen, um den Fans etwas zurückzugeben und die drei Punkte mitzunehmen?
Christian Höfer:
„Ich möchte am Sonntag genau das gleiche Spiel von uns sehen wie gestern! Nicht mehr und nicht weniger. Und das nicht nur am Sonntag, sondern Woche für Woche.
Ich will sehen, dass die Jungs Spaß am Fußball haben und mit Freude, Leidenschaft und Engagement auf den Platz gehen. Jeder von ihnen hat irgendwann als kleines Kind angefangen, Fußball zu spielen, und davon geträumt, einmal vor solchen Fans auflaufen zu dürfen. Das darf für uns kein Druck sein, sondern muss im Gegenteil zusätzliche Energie freisetzen. Wir müssen uns wieder darauf besinnen, mit welcher Begeisterung wir diesen Sport ausüben und was für ein Privileg es ist, für diesen Verein spielen zu dürfen.
Gestern waren wir alle eine Einheit. Die Mannschaft auf dem Platz und die Fans auf den Rängen. Genau darum geht es. Wir können unsere Ziele nur gemeinsam erreichen. Also: Lasst uns das Ding gemeinsam nach vorne bringen!“


