Großer Erfolg für die Amputierten-Mannschaft des KFC Uerdingen: Aus dem Team, das am kommenden Samstag, 3. Oktober, die Deutsche Meisterschaft gewinnen wird, sind nun fünf Spieler für die Weltmeisterschaft in Mexiko (13. bis 22. November) nominiert worden. KFC-Kapitän Jonas Lappe wird ebenso in der deutschen Auswahl stehen wie Jamie Knowles, Benito Salazar und Torhüter Angelo Trosino. Ebenfalls für Deutschland dabei: Bundestrainer Klaudiusz Dittrich, der auch den KFC trainiert. Für den Irak läuft Jawad Kadhem auf.
Deutschland wird in Mexiko auf Brasilien, Japan und die Ukraine treffen. Gerade die Ukraine ist eine Wundertüte. Sie rückte nach, weil der EM-Fünfte Irland das Turnier absagen musste. „Man weiß nicht so recht, wer dort aufläuft. Der Krieg dort vor Ort sorgt, so traurig es klingt, sicherlich für einige neue Spieler“, so Jonas Lappe. „Die Japaner sind wohl nicht so stark, dafür ist Brasilien ist brutal-gut. Wir haben Losglück gehabt, die Gruppe ist im Vergleich zu anderen nicht so stark. Realistisch betrachtet sollten wir Platz drei erreichen.“
24 Mannschaften kämpfen um den Titel
Für Lappe ist es die zweite WM nach seiner Teilnahme vor vier Jahren in der Türkei. Nachdem er bei der EM 2024 verletzungsbedingt passen musste, brennt er nun auf die Endrunde, an der 24 Mannschaften teilnehmen. Ursprünglich sollte sie in Costa Rica stattfinden, aus organistorischen Gründen wurde sie schließlich nach Mexiko verlegt. Aus den sechs Vierer-Gruppen qualifizieren sich die ersten beiden für die Final-Runde, der Dritte und Vierte spielen um die Plätze 13 bis 24. „Vor vier Jahren sind wir wegen einiger interner Querelen nur auf dem letzten Platz gelandet. Das wollen wir diesmal ändern.“
„Top 20 – und wir sind zufrieden!“
Gespielt wird im Landesinneren, in San Juan de los Lagos, was drei Stunden Busfahrt von Guadalajara entfernt liegt. Aus Afrika sind Algerien, Angola, Ägypten, Ghana, Liberia, Morroko und Nigeria dabei. Aus Asien qualifizierten sich der Iran, Irak, Japan und Usbekistan. Aus Amerika spielen neben dem Gastgeber noch Costa Rica, USA, Brasilien, Kolumbien und Uruguay mit und aus Europa neben Deutschland England, Italien, Polen, Spanien, Ukraine und der Titelverteidiger, die Türkei. Letztere bezwang vor vier Jahren den damaligen Titelverteidiger Angola, während Usbekistan Dritter wurde. 2018 wurde die Türkei Zweiter und Brasilien Dritter. „Die Teams aus Europa kennen wir ja, und die Afrikaner sind traditionell immer gut. Wenn wir die Top 20 erreichen, können wir zufrieden sein“, stapelt Lappe tief. In der Tat gibt es Länder, in denen der Amputierten-Fußball eine deutlich größere Rolle spielt als in Deutschland. „Darunter auch Länder, denen man es vielleicht im ersten Moment gar nicht zutraut. Unser Mitspieler Jawad hatte zum Beispiel nun gerade ein zweimonatiges Traininglager im Irak“, so Lappe.
Quali als EM-Siebter
In Europa sind vor allem die Türken und die Polen führend. Bei der EM vor zwei Jahren wurde Deutschland Siebter durch ein 3:0 gegen Gastgeber Frankreich und angelte sich damit das letzte europäische WM-Ticket. Erstmals gelang der Einzug ins Viertelfinale, wo die Türken mit 11:0 allerdings deutlich die Oberhand behielten. „Wir haben uns mit dem Sieg über Frankreich für eine tolle EM-Leistung belohnt und sind überglücklich, damit das WM-Ticket für 2026 erhalten zu haben. Als eines der wenigen Nicht-Profi-Teams bei dieser Europameisterschaft hat unsere junge Mannschaft Großartiges geleistet und einen bleibenden Eindruck hinterlassen“, so vor zwei Jahren das Fazit von Klaudiusz Dittrich.
Mehr Infos gibt es unter https://amputeefootball.org/.


