„Die Jungs sind heiß auf das Wochenende“ – Klaudiusz Dittrich im Interview vor dem ersten Heimspieltag in Krefeld

Treue. Liebe. Tradition.

Für die Amputiertenfußballer des KFC Uerdingen steht ein ganz besonderes Wochenende bevor: Erstmals seit dem Wechsel zum KFC tritt die Mannschaft vor heimischem Publikum in Krefeld an – und das als Tabellenführer mit der Chance, bereits einen großen Schritt in Richtung Meisterschaft zu machen. Vor den Duellen mit der Konkurrenz spricht Trainer Klaudiusz Dittrich über die Vorfreude auf die eigenen Fans, die sportliche Ausgangslage und darüber, was die Zuschauer beim Amputiertenfußball erwartet.


Frage: Klaudiusz, Ihr geht als Tabellenführer in euren ersten Heimspieltag in Krefeld. Wie ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft vor diesem Wochenende und wie groß ist die Vorfreude darauf, erstmals vor heimischem Publikum für den KFC anzutreten?

Klaudiusz Dittrich:
,,Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist sehr, sehr gut und die Vorfreude natürlich riesig. Die Jungs sind heiß auf das Wochenende. Wir wollen versuchen, mit unserer Sportart auch das Publikum zu begeistern und richtig mitzureißen.

Ich hoffe natürlich, dass viele Zuschauer kommen und uns lautstark unterstützen. Für uns ist es schließlich das erste Mal, dass wir in Krefeld vor eigenen Publikum spielen. Deshalb sind wir auch gespannt darauf, wie die Zuschauer uns und den Amputiertenfußball aufnehmen werden.

Wir hoffen natürlich auf eine positive Stimmung und wollen den Fans mit guten Leistungen und möglichst vielen Punkten etwas zurückgeben. Unser Ziel ist es, die nötigen Punkte zu holen, um einen großen Schritt in Richtung Meisterschaft zu machen.“


Frage: Ihr könnt am Wochenende im besten Fall bereits die Meisterschaft klarmachen. Wie präsent ist dieses Thema aktuell innerhalb der Mannschaft und versucht ihr, den möglichen Titel trotzdem noch ein Stück weit auszublenden?

Klaudiusz Dittrich:
,,Natürlich wissen wir, dass wir am Wochenende im besten Fall alles klarmachen können. Ich sage den Jungs aber ganz klar, dass sie sich zunächst ausschließlich auf das Sportliche konzentrieren sollen. Wenn wir unsere Leistung bringen und unsere Aufgaben erfüllen, können wir uns am Ende vielleicht mit der Meisterschaft belohnen.

Innerhalb der Mannschaft sprechen wir deshalb nicht groß über den möglichen Titel. Für uns ist wichtig, weiterhin von Spiel zu Spiel zu schauen. Zunächst müssen wir die nötigen Punkte holen und dürfen uns nicht von anderen Dingen ablenken lassen.

Wenn die Jungs sich auf das Wesentliche konzentrieren – nämlich darauf, unsere Spiele zu gewinnen –, bin ich überzeugt, dass es funktionieren kann.“


Frage: Mit Hoffenheim und Mainz trefft ihr am Samstag direkt auf zwei eurer stärksten Konkurrenten. Was erwartest du von diesen Begegnungen und worauf wird es aus deiner Sicht besonders ankommen, um auch gegen diese Gegner erfolgreich zu sein?

Klaudiusz Dittrich:
,,Hoffenheim und Mainz gehören natürlich zu unseren stärksten Konkurrenten. Beide Mannschaften sind schon länger eingespielt und dementsprechend nicht einfach zu bespielen. Hoffenheim verstärkt sich zudem mit Spielern aus Frankreich, um sportlich möglichst erfolgreich zu sein.

Für uns wird entscheidend sein, bei uns zu bleiben und unser eigenes Spiel durchzuziehen. Wenn uns das gelingt, ist gegen beide Mannschaften alles möglich. Wir müssen den Ball gut laufen lassen, den Gegner viel in Bewegung bringen, unsere Konter konsequent ausspielen und nach Ballverlusten direkt ins Pressing kommen.

Wichtig wird außerdem sein, Hoffenheim und Mainz so wenig Platz wie möglich zu geben und die Torchancen, die sich uns bieten werden, konsequent zu nutzen. Wenn wir all das umsetzen können, bin ich überzeugt, dass wir sehr erfolgreich sein können.“


Frage: Es ist euer erster Heimspieltag seit dem Wechsel zum KFC. Welche Bedeutung hat dieses Wochenende für die Mannschaft und macht es für die Spieler einen Unterschied, jetzt erstmals vor den eigenen Fans in Krefeld aufzulaufen?

Klaudiusz Dittrich:
,,Natürlich ist dieser erste Heimspieltag seit unserem Wechsel zum KFC etwas Besonderes. Wir sind zwar bereits eine eingespielte Mannschaft und haben lediglich zwei oder drei neue Spieler dazubekommen, trotzdem ist die Situation für uns neu. Die Jungs sind vor allem froh, dass sie die Möglichkeit haben, gemeinsam Fußball zu spielen und jetzt das Trikot des KFC Uerdingen tragen zu dürfen.

Nun sind wir natürlich sehr gespannt darauf, erstmals vor den eigenen Fans in Krefeld aufzulaufen. Wir kennen die Fans bisher noch nicht wirklich – vielleicht sind wir ja so grandios, dass sie sich direkt in uns verlieben.

Es wird auf jeden Fall spannend zu sehen, wie die Zuschauer die Mannschaft und den Amputiertenfußball aufnehmen. Ich bin ehrlich gesagt selbst schon ein bisschen nervös. Wenn viele KFC-Fans kommen und uns unterstützen, kann das den Jungs noch einmal zusätzliche Energie geben und sie nach vorne treiben.“


Frage: Viele KFC-Fans und Zuschauer werden Amputiertenfußball am Wochenende vermutlich zum ersten Mal live erleben. Was können die Zuschauer von den Spielen erwarten und was würdest du denjenigen sagen, die bisher noch keine Berührungspunkte mit Amputiertenfußball hatten?

Klaudiusz Dittrich:
,,Ich hoffe natürlich, dass viele KFC-Fans vorbeikommen und sich den Amputiertenfußball einmal live anschauen. Sie werden schnell feststellen, dass vieles genauso funktioniert wie im klassischen Fußball – mit dem großen Unterschied, dass die Feldspieler auf Krücken und mit einem Bein spielen.

Wir spielen auf einem etwa 60 mal 40 Meter großen Spielfeld und auf kleinere Tore. Auf dem Platz stehen jeweils sechs Feldspieler und ein Torwart, also sieben Spieler pro Mannschaft. Trotzdem gibt es taktisch sehr viele Parallelen zum Fußball: Wir bauen von hinten heraus auf, kombinieren durchs Mittelfeld und versuchen, unsere Stürmer in Abschlusspositionen zu bringen.

Es gibt Doppelpässe, schnelle Läufe, Flanken, Torschüsse und Zweikämpfe. Die Spieler müssen auf ihren Krücken enorm schnell und beweglich sein. Ich bin deshalb fest davon überzeugt, dass wir den einen oder anderen Zuschauer mit unserem Sport begeistern können.

Wir hatten beispielsweise schon bei einem Turnier gegen Ajax Amsterdam einen KFC-Fan dabei, der das Vereinswappen sogar auf seiner Wade tätowiert hat. Auch er war vom Amputiertenfußball sehr positiv überrascht und begeistert.

Genau das wünsche ich mir auch für dieses Wochenende: Dass die Leute vorbeikommen, sich das Ganze anschauen und feststellen, wie schnell, technisch und spannend Amputiertenfußball sein kann. Am Ende gilt schließlich auch bei uns: Der Ball muss ins Tor.“


Frage: Der Amputiertenfußball ist erst seit wenigen Monaten Teil des KFC. Was wünschst du dir, dass dieser erste Heimspieltag – unabhängig vom sportlichen Ergebnis – für die Mannschaft und für den Amputiertenfußball beim KFC bewirken kann??

Klaudiusz Dittrich:
,,Wir sind erst seit Mai Teil des KFC, deshalb ist dieser erste Heimspieltag natürlich etwas ganz Besonderes. Ich hoffe vor allem, dass wir viele Zuschauer für den Amputiertenfußball begeistern können und ihnen zeigen, was für ein attraktiver Sport das ist.

Das Ganze ist aber nicht nur für uns, sondern auch für den KFC noch neu. Deshalb wird es nach dem Wochenende wichtig sein, gemeinsam Bilanz zu ziehen: Was hat gut funktioniert? Wo gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten? Was können oder müssen wir beispielsweise beim Training oder bei den Rahmenbedingungen verändern?

Das Wichtigste ist zunächst einmal, dass unsere Jungs überhaupt die Möglichkeit haben, Fußball zu spielen. Dafür sind sie sehr dankbar. Alles Weitere wird sich mit der Zeit entwickeln.

Natürlich müssen wir auch ehrlich sagen, dass wir auf Unterstützung und Spenden angewiesen sind. Durch die vielen Reisen und Spieltage entstehen Kosten, und auch bei der Ausrüstung gibt es immer wieder Bedarf. Es wäre beispielsweise schön, zukünftig zusätzliche Bälle oder Krücken über Sponsoren und Unterstützer finanzieren zu können.

Für den Moment wünsche ich mir aber vor allem, dass dieser erste Heimspieltag ein weiterer Schritt für uns und den Amputiertenfußball beim KFC wird – und dass wir möglichst viele Menschen dafür begeistern können.“

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