Der Trainer spricht: „Baumberg ist hinsichtlich der individuellen Qualität auf einem hohen Niveau“

Treue. Liebe. Tradition.

Nach der ungewohnt frühen Pflichtspielpause in der neuen Saison steht am Sonntag endlich wieder der Ligaalltag auf dem Programm. Zuvor nutzt die Mannschaft die spielfreie Zeit auf besondere Weise: Gleich zwei Testspiele wurden parallel ausgetragen – und beide Teams überzeugten mit deutlichen Siegen. Getrübt wurden die gelungenen Auftritte allerdings von der schweren Verletzung von Joshua Salonen. Im Gespräch blickt der Trainer auf die ungewöhnliche Testspiel-Konstellation zurück, spricht über Salonens bitteren Ausfall und erklärt, worauf es beim kommenden Auswärtsspiel gegen die Sportfreunde Baumberg ankommen wird.


Frage: Am Montag kam es zu einer durchaus kuriosen Situation: Gleich zwei Testspiele gegen einen Landesligisten beziehungsweise einen Bezirksligisten fanden parallel statt – und beide Mannschaften konnten ihre Partien souverän gewinnen. Wie lief das Ganze organisatorisch und sportlich ab, und wie zufrieden bist du mit den Auftritten der beiden Teams? Hast du so etwas in der Vergangenheit schon einmal gemacht?

Julian Stöhr: Die Idee dazu hatte ich, als frühzeitig klar war, dass unser Spiel gegen Düsseldorf ausfallen würde. Mir war wichtig, die Situation bestmöglich zu nutzen und zwei Testspiele zu organisieren. Die klassische Variante wäre wahrscheinlich gewesen, nur eine Partie zu absolvieren und jedem Spieler etwa 45 Minuten zu geben. Ich wollte aber, dass wirklich alle Spieler ausreichend Spielzeit bekommen und sich über 90 Minuten zeigen können – sowohl diejenigen, die zuletzt schon viele Minuten gesammelt hatten, als auch die Jungs, die zuletzt weniger zum Einsatz gekommen, gesperrt oder anderweitig verhindert waren.

Dann mussten wir natürlich schauen, welche Mannschaften überhaupt infrage kommen. Entscheidend war, dass die möglichen Gegner ihr Ligaspiel bereits am Freitag absolviert hatten, denn Mannschaften, die samstags oder sonntags spielen, bestreiten normalerweise montags kein Testspiel mehr. Das war zunächst ein bisschen Sucharbeit, aber mit Viktoria Goch und Meerbusch haben wir sehr schnell zwei passende Gegner gefunden. Ioannis Alexiou hat den Kontakt zu seinem Ex-Verein OSV Meerbusch hergestellt, ich habe mich um Goch gekümmert – und damit waren beide Spiele schnell vereinbart.

Mit dem Auftritt gegen Goch war ich sehr, sehr zufrieden. Wir hätten sogar noch höher gewinnen können und hatten eine extrem hohe Spielfreude. Auch aus Meerbusch habe ich von Chris und Ioannis sehr positive Rückmeldungen bekommen. Dort haben wir sechs Tore erzielt, allerdings auch zwei Gegentreffer kassiert. Insgesamt waren es aber zwei sehr gute Auftritte und genau die Belastung, die wir uns von diesen Spielen erhofft hatten.


Frage: Überschattet wurden die positiven Testspiel-Ergebnisse von einer Claviculafraktur und einer Schulterluxation bei Joshua Salonen, der sich ausgerechnet in der letzten Aktion der Partie gegen Viktoria Goch verletzte. Wie bitter ist dieser Ausfall für euch – gerade auch mit Blick darauf, dass er sich zuvor in guter Form präsentiert hatte, und wie sieht der Stand bei ihm bezüglich Verletzung und Untersuchungen aus?

Julian Stöhr: Ich bin mit Josh im regelmäßigen Austausch. Es ist tatsächlich in der allerletzten Aktion des Spiels passiert. Er ist noch einmal ins Dribbling gegangen, im Zweikampf zu Fall gekommen und hat sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Dass sich die Verletzung dann als so schwerwiegend herausgestellt hat, ist natürlich extrem bitter.

Wir müssen jetzt zunächst die weiteren Untersuchungen beziehungsweise die Röntgenbilder abwarten. Klar ist aber, dass er operiert werden muss und danach voraussichtlich mindestens sechs Wochen ausfallen wird. Solange die Schwellung noch da ist, kann man die Verletzung zudem noch nicht abschließend beurteilen. Das Ganze wird sich also etwas ziehen. Ich rechne momentan damit, dass er uns mindestens die nächsten zwei Monate nicht zur Verfügung stehen wird.

Das ist sportlich sehr schade, weil er gegen Goch einer der besten Spieler auf dem Platz war und generell in den vergangenen Monaten enorme Fortschritte gemacht hat – auch im Vergleich zur vergangenen Saison. Er war sehr nah an der Mannschaft und hat auch die Minuten, die er zuletzt gegen Holzheim bekommen hat, richtig gut genutzt. Deshalb tut uns dieser Ausfall sportlich weh. Menschlich ist es persönlich aber natürlich noch einmal deutlich bitterer.


Frage: Nach der ungewohnten zweiwöchigen Pflichtspielpause bereits so früh in der Saison geht es am Sonntag endlich wieder um Punkte. Wie wichtig waren die beiden Testspiele, um im Rhythmus zu bleiben, und worauf wird es in dieser Trainingswoche besonders ankommen, damit die Mannschaft in Baumberg direkt wieder auf Pflichtspielniveau ist?

Julian Stöhr: Da frühzeitig feststand, dass unser Spiel gegen Düsseldorf nicht stattfinden würde, konnten wir entsprechend planen und mit den beiden Testspielen reagieren. Für uns war es sehr wichtig, im Rhythmus zu bleiben, unsere Abläufe weiter einzustudieren und gleichzeitig an der Fitness zu arbeiten. Vor allem wollten wir den Spielern die Möglichkeit geben, einmal über die kompletten 90 Minuten zu gehen.

Gerade in der Vorbereitung ist es häufig so, dass viele Spieler nur 70 oder 80 Minuten absolvieren, weil viel gewechselt wird. Deshalb war es für uns wertvoll, dass jetzt nahezu alle einmal eine komplette Partie in den Beinen hatten. Das war eine intensive Belastung und hat seinen Zweck absolut erfüllt.

Deshalb werden wir die Trainingswoche jetzt auch nicht überladen. Am Donnerstag steht zunächst um 16.30 Uhr eine Krafttrainingseinheit an, bevor wir um 18.30 Uhr auf den Platz gehen. Am Freitag folgt dann bereits das Abschlusstraining. Nach der intensiven Belastung vom Montag geht es vor allem darum, die richtige Mischung aus Vorbereitung und Frische zu finden. Wir freuen uns jetzt darauf, dass es in Baumberg endlich wieder um Punkte geht.


Frage: Am Sonntag wartet mit den Sportfreunden Baumberg der nächste Gegner, der zuletzt mit 4:2 in Meerbusch gewinnen konnte. Du hattest bereits angekündigt, dir Baumberg noch einmal genauer anzuschauen: Was macht die Mannschaft zu einer anspruchsvollen Aufgabe, und wo liegen aus deiner Sicht die entscheidenden Faktoren, um den zweiten Saisonsieg einzufahren?

Julian Stöhr: Baumberg ist aus meiner Sicht gerade hinsichtlich der individuellen Qualität auf einem enorm hohen Niveau. Sie verfügen über sehr viel Erfahrung und haben auf zahlreichen Positionen Spieler, die richtig gute Qualität mitbringen. Insgesamt ist das eine sehr, sehr gute Mannschaft, die gerade mit Ball viele Lösungen hat und fußballerisch stark ist.

Warum es für sie in den vergangenen Jahren vielleicht nicht immer für ganz oben gereicht hat, ist für uns allerdings nicht entscheidend. Unsere Aufgabe ist es, diese anspruchsvolle Partie anzunehmen und uns bestmöglich darauf vorzubereiten. Wir werden uns Baumberg in der Videoanalyse noch einmal genau anschauen und im Training ein, zwei Dinge gezielt einstudieren.

Trotzdem wollen wir uns nicht zu sehr nach dem Gegner richten, sondern unser eigenes Spiel durchdrücken. Natürlich werden wir gewisse Dinge anpassen, beispielsweise in unserem Anlaufverhalten. Grundsätzlich ist unser Ziel aber, die Partie mit Ball zu dominieren. Baumberg ist eine Mannschaft, die selbst gerne den Ball hat und Fußball spielen möchte. Genau das wollen wir ihnen möglichst schwer machen.

Dafür müssen wir selbst viel Ballbesitz haben, im Passspiel sauber und fehlerarm bleiben und Baumberg dazu zwingen, viel hinterherzulaufen. Wenn uns das gelingt und wir unser Spiel konsequent auf den Platz bringen, haben wir eine gute Chance, dort erfolgreich zu sein.

hell oder dunkel
Cookie Consent mit Real Cookie Banner