Auf Kurs Richtung Saisonstart: Trainer Julian Stöhr über die bisherige Vorbereitung und Entwicklung der Mannschaft

Treue. Liebe. Tradition.

Die Hälfte der Vorbereitung ist absolviert, der Saisonstart rückt langsam näher – und beim KFC nimmt die Mannschaft zunehmend Konturen an. Im ausführlichen Interview spricht unser Trainer Julian Stöhr über die Erkenntnisse aus den bisherigen Testspielen und die neue offensive Qualität im Kader. Außerdem erklärt er, wie sich die Mannschaft als Gruppe entwickelt, worauf es in den verbleibenden Wochen der Vorbereitung ankommt und welche Erwartungen er an die kommenden Härtetests hat.


Frage: Julian, wir haben mittlerweile ungefähr die Hälfte der Vorbereitung erreicht. Wenn du ein erstes Zwischenfazit ziehst: Wo steht die Mannschaft aktuell im Vergleich zu dem Punkt, an dem du sie zu diesem Zeitpunkt gerne gesehen hättest? Wie zufrieden bist du insgesamt mit der bisherigen Entwicklung?

Julian Stöhr:
,,Im Großen und Ganzen steht die Mannschaft da, wo ich sie gerne zu dem Zeitpunkt haben wollte. Natürlich sind wir noch nicht bei 100 Prozent, aber das ist zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung völlig normal. Ich glaube auch, dass die Mannschaft bereits ein sehr gutes Fitnesslevel erreicht hat. Auch was Verletzungen angeht, sind wir bislang einigermaßen gut durch die Vorbereitung gekommen. Wir hatten zwei kleinere muskuläre Probleme beziehungsweise Zerrungen und natürlich hier und da schwere Beine, aber das gehört zu einer intensiven Vorbereitung dazu.

Ich habe schon das Gefühl, dass die Jungs fit sind. Das nehme ich auch aus den Gesprächen mit ihnen mit. Ich bin überzeugt davon, dass wir zum Saisonstart körperlich in einer sehr guten Verfassung sein werden.

Darüber hinaus habe ich den Jungs nach dem Spiel gegen Wanne-Eickel gesagt, dass wir viele Dinge, die wir im Training erarbeitet und angesprochen haben und die zuvor teilweise noch nicht so gut funktioniert hatten, in diesem Spiel schon sehr gut umgesetzt haben. Das zeigt, dass die Mannschaft lernfähig und lernwillig ist. Damit sind wir als Trainerteam bisher sehr zufrieden.“


Frage: Die bisherigen Testspiele haben ganz unterschiedliche Herausforderungen geboten, von der Partie gegen Regionalligist Bergisch Gladbach bis zu den Spielen gegen u.a die Sechstligisten Budberg und Wanne-Eickel. Welche Erkenntnisse waren für dich aus diesen Begegnungen bislang besonders wertvoll, vielleicht auch unabhängig von den Ergebnissen?

Julian Stöhr:
,,Grundsätzlich hatten die bisherigen Testspiele sehr unterschiedliche Schwerpunkte. Das Spiel gegen den VfB Uerdingen war ein lockerer Aufgalopp. Gegen Speldorf und Budberg folgten dann zwei weitere Tests, in denen wir Landesligisten geschlagen haben, teilweise auch deutlich. Trotzdem gab es in diesen Spielen noch einige Probleme. Gerade für unsere jüngeren Spieler waren solche Begegnungen aber Gold wert, weil sie daraus wichtige Lerneffekte mitnehmen konnten.

Diese Entwicklung hat man dann gegen Wanne-Eickel bereits gesehen. Zwar hatte dort jeder Spieler etwas weniger Einsatzzeit als in den vorherigen Partien, weil wir die Spielzeit relativ gleichmäßig verteilt haben, aber trotzdem war eine klare Entwicklung erkennbar. Gerade für die Jungs, die erst in ihrem ersten oder zweiten Seniorenjahr sind, sind solche Erfahrungen enorm wichtig. Insgesamt haben wir es dort wirklich ordentlich gemacht.

Bergisch Gladbach hat uns dagegen sehr deutlich aufgezeigt, wie eine Mannschaft auftreten kann, die in der Vorbereitung bereits zwei Wochen weiter ist. Das wird in der kommenden Woche gegen Bonn ähnlich sein. Solche Mannschaften sind uns zu diesem Zeitpunkt in einigen Bereichen naturgemäß voraus. Gerade bei der Handlungsschnelligkeit und in den Zweikämpfen war uns Bergisch Gladbach überlegen.

Aber genau dafür haben wir diese zusätzlichen zwei Wochen. Wir wollen die Zeit nutzen, damit unsere Jungs in diesen Bereichen weiter aufholen und zum Saisonstart entsprechend vorbereitet sind.“


Frage: Du hattest vor der Vorbereitung angekündigt, die Mannschaft vor allem offensiv neu aufstellen zu wollen. Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Entwicklung im Spiel nach vorne und der Integration der Neuzugänge? Wo siehst du offensiv noch das größte Verbesserungspotenzial?

Julian Stöhr:
,,Das war nicht nur mein Wunsch, sondern generell der Wunsch der sportlichen Führung um Benni Skalnik und Michael Nagorny. Wir wollten uns offensiv breiter und qualitativ besser aufstellen, weil uns die fehlende Effizienz in der vergangenen Saison oftmals das Genick gebrochen hat. Wir haben uns viele gute Torchancen herausgespielt, daraus aber zu wenig Ertrag erzielt. Dadurch war der Aufwand, den wir betreiben mussten, häufig viel zu groß, ohne dass wir uns dafür ausreichend belohnt haben. Deshalb wollten wir diesen Bereich neu angehen.

Ich denke man kann durchaus sagen, dass wir offensiv jetzt eine enorme Qualität im Kader haben. Nun liegt es auch an uns Trainern, die neuen Spieler bestmöglich zu integrieren und die richtigen Abläufe zu entwickeln.

Bislang klappt das schon ganz gut. Das hat man beispielsweise an den fünf Toren gegen Wanne-Eickel und auch an anderen deutlichen Ergebnissen in der Vorbereitung gesehen. Solche Resultate hatten wir in der vergangenen Saison kaum. Natürlich ist es nur die Vorbereitung und man darf die Ergebnisse nicht überbewerten, aber trotzdem sind sie ein guter Fingerzeig.

Auch gegen Speldorf und Bergisch Gladbach hatten wir ordentliche Tormöglichkeiten. Gleichzeitig haben uns in diesen Spielen teilweise Spieler gefehlt oder die Jungs hatten aufgrund der hohen Trainingsbelastung schwere Beine. Ich hoffe und glaube, dass sich das in den kommenden Wochen noch weiter einspielen wird.

Wir haben sowohl auf den Flügelpositionen als auch auf der Zehn und im Sturm sehr gute neue Spieler dazubekommen. Jetzt geht es darum, diese Qualität als Mannschaft auf den Platz zu bringen und die offensiven Abläufe weiter zu verfeinern.“


Frage: Wie hat sich die Mannschaft in den vergangenen Wochen als Gruppe entwickelt? Hast du das Gefühl, dass sich auf und neben dem Platz bereits ein echtes Mannschaftsgefüge und eine Hierarchie herausgebildet haben?

Julian Stöhr:
,,Ich habe inzwischen mit fast allen Spielern Einzelgespräche geführt. Dabei ging es natürlich auch immer wieder um die Frage, wie sich die Gruppe bislang entwickelt hat. Das Feedback der Jungs war diesbezüglich sehr eindeutig und durchweg positiv. Sie beschreiben die Mannschaft als sehr homogen und haben das Gefühl, dass wir viele gute Charaktere im Kader haben. Allerdings sage ich auch ganz offen: Der wahre Charakter einer Mannschaft zeigt sich häufig erst dann, wenn es wirklich um Punkte geht. Wenn Spieler einmal nicht von Beginn an spielen, früh ausgewechselt oder nur eingewechselt werden, sieht man, wie eine Gruppe tatsächlich mit solchen Situationen umgeht.

Trotzdem glaube ich, dass wir bei der Kaderzusammenstellung ganz bewusst darauf geachtet haben, auch charakterlich die richtigen Spieler zu verpflichten. Das war uns insbesondere im Vergleich zur vergangenen Saison sehr wichtig. Ob sich bereits eine klare Hierarchie herausgebildet hat, wird sich in den kommenden Wochen noch zeigen. Ole bleibt natürlich unser Kapitän. Dahinter wird man sehen, welche Spieler sich in Führungsrollen hineindrängen und Verantwortung übernehmen.

Bislang haben wir die Einsatzzeiten noch relativ gleichmäßig verteilt. Je näher der Saisonstart rückt, desto klarer werden sich die Rollen innerhalb der Mannschaft herausbilden. Die Spielzeiten werden sich zwangsläufig verändern, und genau dann wird sich zeigen, welche Spieler vorangehen und sich als Führungsspieler etablieren.“


Frage: In der zweiten Hälfte der Vorbereitung geht es nun immer stärker in Richtung Saisonstart. Worauf legst du in den kommenden Wochen den größten Fokus? Welche Abläufe oder Bereiche müssen bis zum ersten Pflichtspiel noch deutlich stabiler werden – und gibt es Dinge, die du noch gezielt ausprobieren möchtest?

Julian Stöhr:
,,Die erste Phase der Vorbereitung ist jetzt abgeschlossen. In dieser Phase lag ein großer Schwerpunkt auf dem Ausdauerbereich. Trotzdem hatten wir in jeder Trainingseinheit auch taktische Aspekte integriert. In den Testspielen hat man bereits teilweise gesehen, dass daraus gute Kombinationen und Abläufe entstanden sind.

Einen weiteren großen Schwerpunkt haben wir auf Standardsituationen gelegt. Daraus konnten wir bereits erste Erfolge erzielen und auch ein Tor erzielen. An diesem Bereich wollen wir weiterhin intensiv arbeiten.

Grundsätzlich geht es jetzt darum, die Themen, an denen wir bisher gearbeitet haben, weiter zu vertiefen und die Abläufe zu festigen. Konkrete neue Dinge, die ich unbedingt noch ausprobieren möchte, habe ich momentan nicht im Kopf. Gerade weil wir einen größeren und ganz bewussten Umbruch im Kader hatten, ist es mir wichtig, feste Strukturen und klare Abläufe zu entwickeln.

Deshalb müssen wir jetzt nicht noch zahlreiche völlig neue Dinge ausprobieren. Unser Ziel ist es vielmehr, die vorhandenen Inhalte zu stabilisieren und bis zum ersten Pokalspiel so weit zu sein, dass die Mannschaft genau weiß, was sie auf dem Platz zu tun hat.“


Frage: Bis zum Saisonstart stehen noch einige Trainingswochen und Testspiele auf dem Programm. Wie sieht der Plan für die restliche Vorbereitung aus und welche unterschiedlichen Aufgaben erwartest du von den kommenden Testspielgegnern?

Julian Stöhr:
,,Wir haben seit gestern zunächst einmal eine kurze Pause. Der erste Teil der Vorbereitung mit vielen und intensiven Trainingseinheiten ist damit abgeschlossen.

Wir haben bislang fünf Testspiele absolviert, drei weitere stehen noch auf dem Programm. Natürlich werden wir auch in dieser Phase weiterhin intensiv trainieren. Mit den kommenden drei Gegnern warten noch einmal andere Kaliber auf uns.

Mit dem Bonner SC treffen wir auf eine Mannschaft, von der ich glaube, dass sie in der kommenden Saison eine sehr gute Rolle in der Regionalliga spielen kann. Für Bonn ist die Partie gegen uns bereits die Generalprobe. Man darf dabei nicht vergessen, dass sie in ihrer Vorbereitung ungefähr zwei Wochen weiter sind als wir. Für uns wird dieses Spiel deshalb eine sehr intensive und wertvolle Einheit.

Auch der darauffolgende Gegner wird eine interessante Aufgabe. Ich kann ihn selbst noch nicht abschließend einschätzen, habe aber von vielen Seiten gehört, dass die Mannschaft durchaus Oberliganiveau besitzt.

Erkenschwick kenne ich wiederum selbst aus der Oberliga Westfalen. Das ist eine sehr robuste und körperlich starke Mannschaft. Solche Gegner wähle ich ganz bewusst aus, auch schon in der vergangenen Vorbereitung, weil wir lernen müssen, gegen diese körperliche Intensität dagegenzuhalten.

Die kommenden Spiele sind für uns also echte Gradmesser. Natürlich müssen wir die Ergebnisse immer im Kontext der jeweiligen Vorbereitungsphase betrachten, insbesondere beim Spiel gegen Bonn. Trotzdem freue ich mich sehr auf diese Partien, und die Jungs tun das ebenfalls. Denn am Ende spielt jeder Fußballer natürlich lieber, als dass er trainiert.“


Frage: Wenn die Fans die Mannschaft zum ersten Pflichtspiel sehen: Woran sollen sie unabhängig vom Ergebnis erkennen können, wofür der KFC in dieser Saison stehen möchte?

Julian Stöhr:
,,Die Fans sollen vom ersten Pflichtspiel an sehen, dass die Jungs richtig Lust darauf haben, für den KFC zu spielen. Es sollte für jeden Spieler eine Ehre sein, dieses Trikot zu tragen.

Wir haben den zweithöchsten Zuschauerschnitt aller Fünftligisten in Deutschland gehabt und blicken auf eine große Vereinshistorie zurück. Die Jungs müssen sich bewusst sein, was es bedeutet, für diesen Verein und vor diesen Fans aufzulaufen. Das gilt es wertzuschätzen. Dementsprechend erwarte ich, dass die Mannschaft in jedem Spiel mit voller Leidenschaft auftritt und für den KFC brennt – nicht nur beim ersten Pflichtspiel, sondern über die gesamte Saison hinweg.

Unabhängig vom Ergebnis möchte ich immer sehen, dass die Jungs alles investieren, sich in jeden Zweikampf werfen und marschieren. Wenn uns das gelingt und diese Einstellung in jedem Spiel zu erkennen ist, bin ich überzeugt davon, dass wir eine sehr erfolgreiche Saison spielen können.“

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