Und plötzlich KFC!

Treue. Liebe. Tradition.

Mit dem Schritt, die Amputierten-Mannschaft von Fortuna Düsseldorf zu übernehmen, hat der KFC Uerdingen in der vergangenen Woche viele Fans und Freunde überrascht. Tatsächlich war es eine sehr spontane Aktion, wenn auch wohl überdacht. „Wir haben uns sehr schnell und aus voller Überzeugung in nur wenigen Stunden für diesen Schritt entschieden, denn ansonsten hätte eine sehr begabte Mannschaft nicht in der Bundesliga spielen können. Finanziell ist der Spielbetrieb für diese Saison durch Garantien von Privatpersonen gesichert: wir suchen zudem aktiv nach Partnern, die unsere Amputierten-Mannschaft unterstützen“, hatte Sebastian Schmidt, Geschäftsführer des KFC Uerdingen 05, erklärt.

Spielszene vom ersten Spieltag: Der KFC Uerdingen gewinnt gegen Anpfiff Hoffenheim mit 3:1.

Die ersten Spieltage sind bereits gespielt: Der KFC hat sich mit zwei Siegen (3:1 gegen Anpfiff Hoffenheim und 4:1 gegen den Hamburger SV ) und einem 0:0 gegen den Meister von 2024 und 2025, FSV Mainz, direkt an die Spitze der Liga gesetzt. Wir haben im Anschluss mit dem Trainer Klaudiusz Dittrich gesprochen.

Klaudiusz, erst einmal herzlich Willkommen beim KFC Uerdingen.
Klaudiusz Dittrich: Danke. Ja, das war schon eine ziemliche Überraschung. Der Vater eines Spielers kennt den KFC-Geschäftsführer Sebastian, daher ging es sehr schnell. Auch wenn es traurig ist, dass wir die Fortuna verlassen mussten, was durchaus nachvollziehbar ist, sind wir froh, dass wir mit dem KFC eine neue Heimat gefunden haben. Für meine Jungs ist es super, dass sie weiter spielen können. Das ist das Wichtigste. Sie brennen für die Sache und haben einfach Lust, Fußball zu spielen.

Wenn man sich den Kader anschaut, sieht man, dass es eine sehr gemischte Truppe ist. Jung und alt, aus dem Ausland, aus Deutschland. Schildere uns bitte, wer hier nun für den KFC aufläuft.
Klaudiusz Dittrich: Ich habe diese Mannschaft seit rund zwei Jahren entwickelt. Es gibt einige Spieler, die unbedingt zu uns wollten, denn wir sind eine sehr gute Mannschaft. Unsere Spieler kommen aus ganz Deutschland, aus Köln, Osnabrück, Solingen, Köln, Hamburg, Nürnberg, Berlin, Chemnitz, Hannover und Essen. Unterm Strich kommen zwei oder drei hier aus der Nähe plus die Betreuer und Trainer.

Wie trainiert ihr denn, wenn ihr gar nicht in einer Region wohnt?
Klaudiusz Dittrich: Normalerweise versuchen wir, alle 14 Tage zu einem Trainingstag bzw. einem -wochenende zusammenzukommen. Wir werden sehen, wie und wo dies nun unter dem Dach des KFC geschehen kann.

Packender Zweikampf: Die Teams schenken sich nichts.

Die ersten Spiele als KFC liefen ganz gut, oder?
Klaudiusz Dittrich: Ja, die Spiele sind super gelaufen, auch wenn wir Mainz hätten schlagen können. Man hat allerdings auch gemerkt, dass sie gut eingespielt waren. Hier und da müssen wir uns noch an einige neue Regeln gewöhnen. Es wird nun auf E-Jugend-Tore gespielt und das Feld wurde auf 60 mal 40 Meter vergrößert.

Wie schauen sonst grob die Regeln aus?
Klaudiusz Dittrich: Die Feldspieler haben alle nur ein Bein und bewegen sich auf Krücken. Der Torhüter hat dagegen beide Beine, aber nur einen Arm. Gespielt wird mit sechs Feldspielern und einem Keeper, und zwar zweimal 25 Minuten. In diesem Jahr spielen vier Mannschaften in der Bundesliga. Sie kommen immer zu zwei Spieltagen an einem Wochenende zusammen, an denen dann jeder gegen jeden spielt. Das Ganze ist wirklich ansehnlich. Es kommen schöne Spielzüge zustanden und auch tolle Tore. Unser Spieler Radouane Chaanoune erzielte vor drei Jahren ein Tor per Fallrückzieher, das zum „Tor des Monats“ gekürt wurde und bei der Wahl zum „Tor des Jahres Platz zwei belegte.“

Das Team ist eine wirkliche Einheit.

Wie ist deine Prognose für die Saison?
Klaudiusz Dittrich: Wir spielen um die Meisterschaft mit und haben gute Chancen auf den Titel. Vielleicht gelingt es uns, den Titel schon bei den beiden Spieltagen in Krefeld (29./30. August) zu feiern. Nachdem Mainz nun zweimal Meister geworden ist, und damit so viele Titel hat wie wir, wollen wir nun endlich wieder die Schale hochhalten. Im vergangenen Jahr haben wir etwas unglücklich im Halbfinale gegen Mainz 1:2 nach Verlängerung verloren und wurden schließlich nur Vierter von fünf Mannschaften.

Was benötigt der Standort Krefeld für dein Team?
Klaudiusz Dittrich: Wir benötigen Sponsoren, die die anfallenden Kosten übernehmen. Keiner der Spieler erhält ein Gehalt, auch ich arbeite ehrenamtlich. Aber es fallen natürlich Kosten an für An- und Abreise, für Hotels und die Verpflegung. Die beiden ersten Spieltage haben in Essenheim im Landkreis Mainz stattgefunden, die nächsten beiden sind Ende Juni in Hamburg – das geht selbstverständlich nur mit finanzieller Unterstützung.

Klaudiusz Dittrich. Foto: DAFL gGmbH

Klaudiusz Dittrich

Der 46-Jährige hat anders als seine Spieler kein Handicap. Früher stand er selber im Tor, unter anderem spielte er in der Bezirks- und Landesliga für Turu Düsseldorf. Ein Kreuzbandriss beendete dann seine Karriere.

Während der Corona-Zeit kam er über Kontakte zum Behindertensport und half als Torhüter bei Fortunas Amputierten- und auch bei der Blinden-Mannschaft aus, natürlich entsprechend präpariert. Später wurde er von beiden Mannschaften Co-Trainer und schließlich auch Trainer.

2023 feierte das Amputierten-Team zuletzt die Meisterschaft und wurde zur Düsseldorfer Mannschaft des Jahres gewählt. Dittrich ist gleichzeitig auch Trainer der Amputierten-Nationalmannschaft, mit der es im November zur Weltmeisterschaft nach Mexiko geht.

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