Der Trainer spricht: „Die letzten Minuten waren eine Selbstaufgabe“

Treue. Liebe. Tradition.

Nach der deutlichen Niederlage in Schonnebeck und dem späten Einbruch seiner Mannschaft fand Trainer Julian Stöhr klare Worte. Auch bei uns im Gespräch spricht er über die Gründe für die desaströse Schlussphase, die Bedeutung von Einstellung und Körpersprache sowie die Reaktion der Fans trotz des Rückschlags im Aufstiegskampf. Gleichzeitig richtet sich der Fokus bereits auf das kommende Heimspiel gegen den 1. FC Kleve, in dem die Mannschaft wieder ein anderes Gesicht zeigen soll.

Frage: Das Spiel am Sonntag war insbesondere in den letzten Minuten sehr harte Kost durch den Einbruch. Bis zum durchaus diskutierbaren Elfmeter war eure Mannschaft jedoch absolut im Spiel und die Führung kam nicht unbedingt unverdient zustande. Auch nach der Pause stimmte in den ersten Minuten die Einstellung der Mannschaft, bis Schonnebeck uns danach demontierte. Lag der Einbruch deiner Meinung nach hauptsächlich an der Einstellung und Körpersprache deiner Spieler, wie du es nach dem Spiel angesprochen hast, oder spielten einfach auch taktische Aspekte sowie die Qualität des Gegners eine entscheidende Rolle?

Julian Stöhr: Der Gegner ist ohne Frage gut, das wussten wir auch im Vorfeld. Taktisch haben sie allerdings nicht plötzlich etwas komplett anders gemacht als in den ersten 20 Minuten. Man kennt die Spielweise von Schonnebeck beziehungsweise von Dirk Tönnies mit der Dreierkette, und genau das machen sie sehr gut. Das haben wir letztlich auch zu spüren bekommen.

Wenn ein Gegner taktisch überlegen ist, dann bin ich der Erste, der das anerkennt. Aber selbst dann darfst du in den letzten fünf Minuten nicht noch drei Gegentore kassieren. Das hat für mich dann vor allem etwas mit Einstellung und Körpersprache zu tun. Wir waren gut vorbereitet, die Jungs haben es in den ersten 20 Minuten und auch nach der Halbzeit bis zum 3:1 ordentlich umgesetzt. Danach war es allerdings eine komplette Aufgabe, und damit kann man nicht zufrieden sein.

Dass wir dort verlieren können, ist keine Frage – Schonnebeck ist ein starker Gegner, dazu auswärts auf Kunstrasen. Aber sich am Ende so abschießen zu lassen, darf uns einfach nicht passieren.


Frage: Das gestrige Spiel war nach zuvor fünf Siegen in Folge ein deutlicher Rückschlag im Aufstiegskampf. Wie gestaltet sich nun die Trainingswoche und die Aufarbeitung der Partie? Welche Konsequenzen oder Maßnahmen ziehen du und dein Trainerteam aus dieser Niederlage, auch mit Blick auf das Spiel gegen Kleve?

Julian Stöhr: Jetzt geht es vor allem darum, eine Reaktion zu zeigen. Das wissen wir alle. Umso bemerkenswerter war für mich die Reaktion der Fans nach dem Spiel. Sie hätten allen Grund gehabt, enttäuscht oder wütend zu sein, haben aber trotzdem positive und aufbauende Worte gefunden. Das rechne ich ihnen hoch an, weil sie eben auch die fünf Siege zuvor und die guten Leistungen gegen starke Gegner im Kopf hatten.

Natürlich werden wir das Spiel intern ansprechen. Diesmal werde ich allerdings bewusst auf Videosequenzen verzichten, obwohl wir das sonst häufig machen. Der Fokus soll jetzt komplett auf dem Spiel gegen Kleve liegen. Danach haben wir eine spielfreie Woche, deshalb wollen wir uns mit einem Erfolgserlebnis ein gutes Gefühl erarbeiten. Das steht momentan klar im Vordergrund.

Die letzten Minuten von Sonntag werden wir dennoch thematisieren müssen. Dass man gegen so einen Gegner mal 3:1 hintenliegt, kann passieren. Aber die Art und Weise, wie wir die letzten drei Gegentore kassieren, müssen wir kritisch aufarbeiten. Das war für mich eine Frage der Einstellung und der Körpersprache – am Ende eine Selbstaufgabe.


Frage: Am kommenden Sonntag steht in der Grotenburg das Spiel gegen Kleve an. Die Mannschaft befindet sich mitten im Abstiegskampf, ist jedoch seit fünf Spielen ungeschlagen und konnte dabei drei direkte Konkurrenten aus dem unteren Tabellenfeld besiegen und darf auf den Klassenerhalt hoffen, nachdem es lang nicht so gut aussah. Auf dem Papier und nach der Einstellung vom Sonntag also ein durchaus gefährlicher Gegner, der dieses Spiel sicherlich als Highlight ansehen wird und die Spieler ihr Herz auf dem Platz lassen werden. Worauf wird es aus spielerischer beziehungsweise taktischer Sicht besonders ankommen und was erwartest du von deinen Spielern in dieser Partie?

Julian Stöhr: Kleve ist immer ein unangenehmer Gegner, das haben wir schon im Hinspiel am eigenen Leib erfahren. Auch damals war die Einstellung ein großes Thema – leider hatten wir in dieser Saison schon einige solcher Spiele. Gegen Holzheim und Kleve zum Beispiel hat die Haltung über weite Strecken überhaupt nicht gestimmt. Gegen Schonnebeck war es zumindest nicht über die gesamten 90 Minuten so, aber gerade die Schlussphase war natürlich enttäuschend.

Genau deshalb wollen wir jetzt eine klare Reaktion zeigen. Ob Kleve seit fünf Spielen ungeschlagen ist oder nicht, spielt für uns dabei keine entscheidende Rolle. Wir wollen jetzt wieder in die Spur finden und die letzten drei Saisonspiele gewinnen. Der erste Schritt soll am Sonntag zu Hause gelingen, auch um den Zuschauern etwas zurückzugeben.

Natürlich wird das kein einfaches Spiel und wir werden den Gegner sicherlich nicht aus dem Stadion schießen. Dafür sind wir momentan schlicht nicht stabil genug. Trotzdem haben wir die Qualität, so einen Gegner zu schlagen. Man darf schließlich nicht vergessen, dass wir weiterhin mitten im Aufstiegskampf stehen.

Ich möchte am Sonntag auf keinen Fall da stehen und das Gefühl haben, dass die Saison vorbei ist. Wir wollen gewinnen und dann im schlechtesten Fall mit vier Punkten Rückstand in die letzten beiden Spiele gehen. Dann ist weiterhin alles möglich. Aber ich habe definitiv keine Lust darauf, dass die Saison durch ein Unentschieden oder eine Niederlage praktisch beendet ist. Das wollen wir unbedingt verhindern.

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