Der Trainer spricht: „Wir wollen uns offensiv neu aufstellen“

Treue. Liebe. Tradition.

Nach der teils kuriosen 1:2-Niederlage zum Saisonabschluss gegen Jüchen-Garzweiler geht der KFC Uerdingen in die Sommerpause — viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Bereits Ende Juni startet die Leistungsdiagnostik, Anfang Juli folgt das erste öffentliche Training. Im Gespräch blickt Trainer Julian Stöhr noch einmal kritisch auf den letzten Auftritt vor heimischer Kulisse, spricht über den bevorstehenden Umbruch im Kader, den offensiven Handlungsbedarf und eine Oberliga-Saison, die mit mehreren namhafteren Gegnern einiges verspricht.

Frage: Der KFC verabschiedet sich mit einer teils kuriosen 1:2-Niederlage in die Sommerpause, bevor es Ende Juni bereits wieder mit der Vorbereitung losgeht. Einige Spieler werden den Verein verlassen, zudem ging es tabellarisch um nichts mehr. Haben diese Faktoren deiner Meinung nach eine Rolle gespielt, oder was lief am Sonntag nicht ideal, sodass das letzte Heimspiel am Ende verloren ging?

Julian Stöhr: Der letzte Spieltag kann im Kopf sicherlich eine Rolle spielen. Bei einem Verein wie dem KFC darf das aber keine Rolle spielen — zumal wieder rund 2.000 Zuschauer in der Grotenburg waren. Man musste nur auf die Ränge schauen, um zu sehen, dass man die Saison nicht einfach austrudeln lassen kann.

Bei anderen Vereinen wäre das vielleicht etwas anderes, aber beim KFC geht das nicht — auch wegen des großen Zuspruchs der Zuschauer. Dazu kam das Banner, mit dem den Jungs gedankt wurde. Das war ein Kompliment an die Mannschaft und hätte eigentlich noch einmal zusätzliche Motivation sein müssen, sich mit einem guten Gefühl zu verabschieden. Das ist uns leider überhaupt nicht gelungen.

Wir waren technisch sehr, sehr schlecht, insgesamt viel zu langsam und haben viel zu häufig nach hinten gespielt. Offensiv haben wir praktisch gar nicht stattgefunden, uns viel zu wenig bewegt und kaum Lösungen gefunden. Deshalb war es am Ende leider die logische Konsequenz, dass wir ein schlechtes Spiel abgeliefert und verloren haben.


Frage: Mit mehr als zehn Abgängen, darunter auch einige Stammspieler, steht dem KFC durchaus ein Kaderumbruch bevor. In welchem Mannschaftsbereich siehst du, auch mit Blick auf die vergangene Saison, den größten Handlungsbedarf?

Julian Stöhr: Die Abgänge sind im großen Ganzen gewollt. Es gab ein, zwei Spieler, mit denen wir gerne weitergemacht hätten, aber ansonsten waren wir uns relativ schnell einig.

Wenn man sich die Tabelle anschaut und auch die Statistiken heranzieht, dann sieht man, dass wir offensiv einfach nicht gut genug waren. Dabei geht es gar nicht unbedingt nur um das Herausspielen von Torchancen. Gegen Jüchen war das sicherlich ein Thema, aber ich denke auch an Spiele gegen Büderich, zu Hause gegen Schwarz-Weiß Essen oder gegen Kleve. Auch in Dingden gab es solche Situationen — ich könnte noch weitere Spiele aufzählen.

Das waren Partien, die wir eigentlich hätten gewinnen müssen. Dementsprechend wollen wir uns offensiv neu aufstellen, weil wir deutlich mehr Torgefahr entwickeln wollen. Wir müssen künftig einfach effizienter sein und dürfen solche Punkte nicht mehr so leicht liegen lassen. Auch in Kleve war es eine ähnliche Geschichte, genauso in Holzheim, wo wir frühzeitig das 3:1 machen müssen. Das waren viele Spiele, die uns in der Tabelle nicht weiter nach oben gebracht haben.


Frage: Mit dem Wuppertaler SV, der SSVg Velbert und Fortuna Düsseldorf II kommen gleich drei Vereine aus der Regionalliga West in die Oberliga Niederrhein. Alle drei gehen durchaus mit Ambitionen für eine Top 6 Platzierung in die neue Saison. Dazu werden etablierte Vereine wie St.Tönis (mit den DFB-Pokal Einnahmen im Rücken), Schonnebeck und Ratingen vermutlich alle wieder oben mitspielen. Wie schätzt du die Oberliga nächste Saison ein, vor allem mit Blick auf den Aufstiegskampf? Eine der schwersten der letzten Jahre?

Julian Stöhr: Zunächst einmal freuen wir uns auf diese Oberliga, denn ich finde es immer klasse, wenn starke Gegner dazukommen. Das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten — für die Mannschaft, aber auch für das Trainerteam, weil man sich wieder neue Lösungsansätze überlegen muss.

Was die Zielsetzungen der anderen Mannschaften angeht, ist mir das erst einmal egal. Unsere eigene Zielsetzung werden wir in der Vorbereitung bekannt geben. Viel mehr freue ich mich darauf, gute und attraktive Spiele zu haben.

In Ratingen macht es immer Spaß, im Stadion zu spielen. Dazu kommen Spiele in Wuppertal, in Düsseldorf auf Rasen, in Velbert ebenfalls auf Rasen. Das sind für mich echte Topspiele in der Oberliga. St. Tönis spielt ebenfalls auf Rasen. Ich persönlich mag Rasenspiele gegen gute Gegner sehr. Dementsprechend erhoffen wir uns davon natürlich auch einiges, zumal wir in der vergangenen Saison gegen die Topteams gut abgeschnitten haben.


Frage: Die Sommerpause fällt mit rund drei Wochen ziemlich kurz bei euch aus, bevor es Ende Juni bereits mit der Leistungsdiagnostik weitergeht und am 4. Juli das erste öffentliche Training ansteht. Wie nutzt ihr als Mannschaft, Trainerteam und du persönlich diese freie Zeit?

Julian Stöhr: Die Pause ist bewusst kurz gewählt, weil ich ein großer Freund davon bin, die Vorbereitung in zwei Teile aufzuteilen und zwischendurch noch einmal einen klaren Schnitt zu machen. Ich glaube, das machen wir am 19.07. nach der Saisoneröffnung. Danach geben wir den Jungs noch einmal fünf Tage komplett frei.

Jeder, der Fußball gespielt hat oder schon einmal Trainer war, weiß, dass es in der Vorbereitung immer Phasen gibt, in denen einzelne Spieler oder sogar ein Großteil der Mannschaft in ein Loch geraten können. Genau das wollen wir vermeiden. Deshalb bin ich in der Vergangenheit immer gut damit gefahren, den Jungs nach den ersten intensiven drei Wochen noch einmal fünf Tage Pause zu geben. So können sie mental durchatmen und sich körperlich erholen.

Das ist der Sinn dahinter. Natürlich werde ich mich in dieser Zeit trotzdem mit der Vorbereitung beschäftigen und sie noch einmal komplett im Detail durchplanen. Aber ansonsten hat man ja auch eine Familie, und diese Zeit wird dann natürlich vor allem dafür genutzt. Die Jungs haben zudem einen Laufplan. Das heißt, sie müssen eine Woche vor dem Trainingsstart auch wieder individuelle Einheiten absolvieren — alles in Absprache mit dem Athletiktrainer.

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