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#TBT: Die tragische Karriere des Andreas Sassen

Auch diesen Donnerstag werfen wir wieder einen Blick zurück in die Uerdinger Vereinshistorie. Diesmal geht es beim „Throwback Thursday“ um unseren ehemaligen Spieler Andreas Sassen, dessen Todestag sich am Samstag zum 16. Mal jährt.

Andreas Sassen wurde von den Uerdingern im Herbst 1990 beim Oberligisten ETB Schwarz-Weiß Essen entdeckt und wechselte zunächst als Vertragsamateur nach Krefeld. Sein enormes Talent blieb im Training der Profis nicht lange unentdeckt, so dass ihn Trainer Timo Konietzka schon mit dem Start der Rückrunde 1990/91 zum Stammspieler machte. Nach dem Abstieg 1991 hatte er in Folgejahr großen Anteil am sofortigen Wiederaufstieg ins Fußballoberhaus. In 31 Spielen steuerte der Mittelfeldspieler sieben Tore zum Gewinn der Zweitliga-Meisterschaft (Nord) bei.
In der Saison 1992/93 glückte ihm auch in der Bundesliga der endgültige Durchbruch. Unvergesslich bleibt sein Galaauftritt am 2. Oktober 1992 beim 2:1-Sieg über Bayer Leverkusen, als er mit einem Doppelpack für den Erfolg im damaligen Werksduell sorgte. Mit zunehmender Leistung häuften sich aber leider auch seine Disziplinlosigkeiten neben dem Platz. Während Sassen von den Fans geliebt wurde, bereitete er dem Trainerteam um Friedhelm Funkel regelmäßig großen Kummer. Die Verantwortlichen suchten immer wieder das Gespräch mit ihm – bedauerlicherweise vergeblich. Nach ersten Geldstrafen und Abmahnungen, ließ Sassen im März 1993 einen Termin bei Mannschaftsarzt Dr. Pauly unentschuldigt platzen, nachdem er zuvor das Training aufgrund einer angeblichen Erkrankung hatte sausenlassen. Auch zu Hause war Sassen nicht anzutreffen. Trainer Funkel hatte daraufhin keine Wahl mehr und suspendierte schweren Herzens einen seiner besten Spieler. Im Laufe der Saison hatten sich zu viele Dinge ereignet, die das Fass schließlich zum überlaufen brachten.
Trotz seines Rufs als Enfant terrible gab es zahlreiche Interessenten aus der Bundesliga, die ihn unbedingt verpflichten wollten. Im Sommer 1993 machte schließlich der Hamburger SV das Rennen um den so talentierten Kicker. Bei den Hanseaten lief es für Sassen sportlich zunächst sehr gut, ehe erneute Fehltritte abseits des Platzes auch in Hamburg für negative Schlagzeilen sorgten. Im Oktober 1993 endete eine Taxi-Fahrt nach durchzechter Nacht mit Teamkollege Harald Spörl auf der Reeperbahn in einer Schlägerei. Die Folgen waren eine Strafanzeige, eine Abmahnung durch den Verein und eine saftige Geldstrafe in Höhe von 12500 Mark.
1994 folgte der Wechsel zu Dynamo Dresden, wo er bereits nach 13 Tagen aufgrund einer geschwänzten Trainingseinheit abermals suspendiert wurde. 1995 suchte er sein Glück vorübergehend beim ukrainischen Spitzenclub Dnjepr Dnjepropetrowsk, kehrte aber schon bald nach Deutschland zurück und unterschrieb beim Zweitligisten SG Wattenscheid 09. Im Februar 1996 setzte er sich aus dem Wintertrainingslager an der Algarve ab und blieb tagelang spurlos verschwunden. Die Mannschaft reiste ohne ihn ab und das Kapitel Profifußball war für den damals 28-Jährigen endgültig beendet. Schließlich spielte er noch einmal im Amateurbereich für seinen Ex-Club Schwarz-Weiß Essen.
In den letzten Jahren seines Lebens war er als Hilfsgärtner beim Grünflächenamt der Stadt Essen beschäftigt. Vor fast genau 16 Jahren, am 17. Oktober 2004, starb er im Alter von nur 36 Jahren an den Folgen eines Gehirnschlags.
In Uerdingen hatte er sportlich seine beste Zeit. Er absolvierte für den Verein insgesamt 73 Pflichtspiele und erzielte dabei elf Tore. Aufgrund immer wiederkehrender Probleme abseits des Feldes konnte er sein Talent als begnadeter Fußballer leider nie über einen längeren Zeit unter Beweis stellen. In Uerdingen ist und bleibt er dennoch unvergessen.

Andreas Sassen beim Heimspiel am 25. August 1992 gegen Borussia Dortmund
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