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Offener Brief des KFC Uerdingen

Lieber Herr Meyer,

mit Verwunderung haben wir Ihre sehr ausführliche Stellungnahme zur Kenntnis genommen. Dazu fällt uns leider nur ein Satz ein: „Thema verfehlt.“ Lassen Sie uns daher einmal unsere Sichtweise erläutern.

Sie führen gerne die Ratsbeschlüsse, die Grotenburg mit insgesamt 10,5 Millionen Euro zu sanieren, an. Über diese Beschlüsse sind wir nach wie vor hocherfreut. Wie es der Name jedoch sagt: Es ist ein Ratsbeschluss. Kein Bürgermeisterbeschluss. Sie als Bürgermeister sind vor allem dazu aufgefordert, diesen Beschluss schnellstmöglich umzusetzen – und genau daran setzt unsere begründete Kritik an.

Als Grund, warum die Sanierung der Grotenburg bis heute andauert, führen Sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Scheitern der Stadiongesellschaft an. Vielleicht sollten wir an dieser Stelle erklären, warum sich unser Präsident, Mikhail Ponomarev, gegen die Gründung einer solchen Gesellschaft entschieden hatte. Die kommerziellen Aspekte einer derartigen Partnerschaft gingen schlussendlich zu weit auseinander. Die Risikoverteilung war ungleich auf Investorseite platziert und hätte einen hohen Millionenbetrag seitens des KFC Uerdingen als Vorleistung gefordert. Ohne zu wissen, wie und wann die Fertigstellung erfolgen würde. Konkrete Pläne dazu waren im Mai 2019 noch nicht eindeutig ersichtlich. Die Planung hätte zusätzlich von Seiten des Vereins beauftragt, bezahlt und verantwortet werden müssen – für ein Stadion, das von der Stadt Krefeld 30 Jahre lang stiefmütterlich behandelt wurde und sich einzig dadurch in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand befand. Um nicht weitere Zeit zu verlieren, haben wir der Stadt mitgeteilt, dass es aus unserer Sicht vorteilhafter sei, den ursprünglichen Plan der Umsetzung des Stadtratsbeschlusses in städtischer Regie durchzuführen.

Sie schreiben in Ihrer Stellungnahme, dem Verein läge ein Mietvertragsentwurf für die Grotenburg vor. Das ist sogar richtig – sofern man vernachlässigt, dass in diesem Entwurf die wichtigsten Fakten wie Mietbeginn, Mietzins oder Vertragslaufzeit sowie eine Kostenkalkulation fehlen. Dazu gab es bis zum heutigen Tag keinerlei Informationen. Dies gilt auch für einen detaillierten Bauzeitenplan und der Einführung von regelmäßigen Projektstatusmeetings mit allen Beteiligten. Unser Stand zur Fertigstellung der Grotenburg basiert einzig auf der Aussage von Ihnen, Herrn Meyer, anlässlich des Grotenburg-Hearings im März. Detailliertere Informationen wie einen Bauzeitenplan haben wir trotzdem mehrfacher Nachfrage nie erhalten. Ohne Kenntnis über Mietzins, -dauer oder Inbetriebnahme ist eine Planungssicherheit auch für die Zukunft nicht gegeben.

Die Corona-Krise hat den Sport in Deutschland vor große Herausforderungen gestellt. Zusätzlich zur Tatsache, dass die dritte „Auswärtssaison“ in Folge unseren Verein mit weiteren Millionen belastet, sind auch wir mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie belastet. Auch aus diesem Grund haben wir vor einigen Wochen ein Schreiben an Ihre Verwaltung gerichtet, in dem wir abermals um Unterstützung gebeten haben. Dazu gab es, wie schon zuvor, keine konkrete Antwort.

Niemand stellt auch in Abrede, dass Vertreter der Stadt Gespräche mit der Stadt Düsseldorf geführt haben. Hinreichende Ergebnisse, welche die Situation maßgeblich hätten verbessern können, sind bislang jedoch ausgeblieben.

Zu guter Letzt, da Sie so vollmundig von einem „groben Foul“ sprechen, noch eine Sache: Wenn Sie den Begriff „Erpressung“ ins Feld führen, begeben Sie sich – um passend zu diesem Thema in der Eishockey-Sprache zu bleiben – auf doch sehr dünnes Eis. Oder müssen wir Sie an Aussagen Ihrer Verwaltung zu Jahresbeginn erinnern?

In einer Sache stimmen wir Ihnen jedoch gerne zu: Genau wie Sie erwarten wir eine faire, verlässliche und jederzeit professionelle Zusammenarbeit. Daher freuen wir uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt Krefeld und eine hoffentlich baldige Rückkehr in unsere Heimat.

Mit sportlichen Grüßen

Vorstand und Geschäftsführung des KFC Uerdingen

 

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