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#TBT: Das Jahrhundertspiel gegen Dresden

Beim heutigen „Throwback Thursday“ blicken wir auf das wohl legendärste Spiel der Vereinsgeschichte zurück: Vor genau 34 Jahren, am 19. März 1986, siegten die Uerdinger nach einer unglaublichen Aufholjagd mit 7:3 gegen Dynamo Dresden.

Im Europapokal der Pokalsieger trafen die Uerdinger in der Saison 1985/86 im Viertelfinale auf den damaligen DDR-Vertreter Dynamo Dresden. Im Hinspiel am 5. März unterlag die Mannschaft von Trainer Kalli Feldkamp in Dresden mit 0:2. Das Rückspiel am 19. März 1986 sollte als das „Wunder von Krefeld“ in die Fußballgeschichte eingehen.

Die Ausgangslage vor dem Rückspiel war klar: Würde Dresden ein Tor schießen, müsste Uerdingen mindestens vier Treffer erzielen um weiter zu kommen. Die Uerdinger Strategie war daher darauf ausgerichtet, aus einer kompakten Deckung heraus zwei Tore zu schießen, um so wenigstens in die Verlängerung zu kommen.
Bereits nach 55 Sekunden musste diese Taktik dann aber schon über den Haufen geworfen werden. Nach einer Ecke köpfte Ralf Minge völlig unbedrängt aus sechs Metern zum 0:1 ein. Es folgte ein Sturmlauf der Hausherren, der in der 13. Minute durch das 1:1 belohnt wurde. Torschütze war Wolfgang Funkel – ebenfalls per Kopf. Uerdingen versuchte weiter Druck zu machen, lief aber auch immer wieder in die gefährlichen Konter der Dynamos.
Nach 20 Minuten vergaben Wolfgang Schäfer und Friedhelm Funkel ihre guten Möglichkeiten zur Uerdinger Führung. Stattdessen traf der Dresdener Frank Lippmann in der 35. Minute zum 2:1. Nach diesem fast schon vorentscheidenden Tor der Gäste versetzte Rudi Bommer den Uerdingern mit einem Eigentor zum 1:3 kurz vor der Pause den scheinbar endgültigen K.O..
Da man mit diesem blamablen Rückstand zur Pause eigentlich quasi ausgeschieden war, machten sich viele der 22.000 Zuschauer bereits mit dem Halbzeitpfiff enttäuscht auf den Heimweg. Beim ZDF, das sich für die Übertragung des deutsch-deutschen Duells und gegen die parallel ausgetragene Partie der Bayern in Anderlecht entschieden hatte, häuften sich nun die telefonischen Beschwerden. Unterdessen wurde in der Uerdinger Kabine beim Pausentee nicht viel gesprochen. Auch wenn man sich mit dem Ausscheiden bereits abgefunden hatte, wollten sich die Uerdinger in der 2. Halbzeit jedoch wenigstens noch ordentlich aus dem Europacup verabschieden. Insbesondere durch die drohende Blamage vor dem Millionenpublikum an den Fernsehgeräten packte die Spieler noch einmal an der Ehre. Es war damals die erste TV-Live-Übertragung aus der Krefelder Grotenburg.
Bei Dresden kam zur 2. Halbzeit der junge Keeper Jens Ramme für den verletzten Torwart Bernd Jakubowski ins Spiel. Die Uerdinger bemühten sich nach dem Wiederanpfiff zwar, quälten sich aber bis zur 58. Minute gegen die gut stehenden Dynamos, ehe Wolfgang Funkel mit einem Foulelfmeter endlich auf 2:3 verkürzen konnte.
Anschließend sollte es dann aber Schlag auf Schlag gehen: In der 65. Minute gelang dem Isländer Larus Gudmundsson der Ausgleich und nur zwei Minuten später drehte Wolfgang Schäfer die Partie mit dem 4:3-Führungstreffer sogar zu Gunsten der Uerdinger. Mit dem Doppelschlag war auch plötzlich die Kulisse wieder voll da und skandierte euphorisch: „Nur noch zwei…!“. Viele Fans, die schon auf dem Heimweg waren, kehrten wieder ins Stadion zurück. Der Glaube an ein Wunder war wieder da und die Partie wurde von Minute zu Minute dramatischer.
In der 78. Minute startete der für Franz Raschid ins Spiel gekommene Dietmar Klinger ein unwiderstehliches Solo, das er mit einem Flachschuss zum 5:3 abschloss. Jetzt gab es kein Halten mehr und die Zuschauer rasteten förmlich aus. Zwölf Minuten vor dem Ende fehlte nur noch ein Tor, um die Sensation perfekt zu machen.
Nur eine Minute später klärte Dynamo-Legende Dixie Dörner mit der Hand auf der Linie und der Schiedsrichter zeigte folgerichtig auf den Punkt. Erneut trat Wolfgang Funkel zum Elfmeter an und hielt dem enormen Druck stand. Der „Lange“ behielt einen klaren Kopf und verwandelte sicher ins linke untere Eck zum 6:3. Mit diesem Resultat wäre Uerdingen im Halbfinale. Das Stadion stand Kopf und wildfremde Menschen lagen sich jubelnd in den Armen. Dem Torschützen kullerten einige Freudentränen über die Wange, auch weil die wahnsinnige Belastung mit dem Tor von ihm abfiel.
Hatte man bis gerade die Zeit noch als sehr knapp empfunden, wirkten die verbliebenen elf Spielminuten plötzlich wie eine Ewigkeit. Ein Tor von Dresden und alles wäre vergebens gewesen. Dynamo warf noch einmal alles nach vorne und machte mächtig Druck. Die beste Dresdner Chance in der 85. Minute durch Matthias Döschner fischte der Uerdinger Keeper Werner Vollack im letzten Moment mit einem tollen Reflex aus der Ecke.
Mitten in dieser Drangphase leitete Wolfgang Funkel mit einem wuchtigen Kopfball aus dem eigenen Strafraum einen Konter über Wolfgang Schäfer ein. Der Uerdinger Stürmer über lief mit dem Ball die aufgerückte Dynamo-Abwehr und machte die Sensation mit dem 7:3 endgültig perfekt.
Kurze Zeit später folgte der Abpfiff und keiner konnte in diesem Moment so richtig glauben, was in den vergangenen 45 Minuten passiert war. Auf dem Platz brach ein regelrechtes Chaos aus und es spielten sich unbeschreibliche Jubelszenen ab. ZDF-Reporter Rolf Töpperwien versuchte verzweifelt einen der inzwischen trikotlosen Helden ans Mikrofon zu bekommen. „Oh wie ist das schön“, hallte es minutenlang aus den Kehlen der völlig begeisterten Fans. Nach einer unglaublichen Aufholjagd standen die Uerdinger im Halbfinale des Europapokals. Das „Wunder von Krefeld“ war vollbracht.

Im Jahr 2007 kürte das Fachmagazin 11FREUNDE die damalige Uerdinger Aufholjagd zum „größten Spiel aller Zeiten“.

Wolfgang Funkel beim Kopfballtor zum 1:1.

Europapokal der Pokalsieger – Viertelfinale: Rückspiel
19.03.1986, 20:15 Uhr
Uerdingen - Dynamo Dresden 7:3 (1:3)
Uerdingen: Vollack, Herget, Dämgen, W. Funkel, Bommer, F. Funkel, Raschid (52. Klinger), Feilzer, Buttgereit, Gudmundsson (74. Loontiens), Schäfer
Dynamo Dresden: Jakubowski (46. Ramme), Dörner, Trautmann, Döschner, Häfner, Minge, Kirsten, Pilz, Stübner, Sammer (29. Gütschow), Lippmann
Tore: 0:1 Minge (1.), 1:1 W. Funkel (13.), 1:2 Lippmann (35.), 1:3 Bommer (42. Eigentor), 2:3 W. Funkel (58. Foulelfmeter), 3:3 Gudmundsson (63.), 4:3 Schäfer (65.), 5:3 Klinger (78.), 6:3 W. Funkel (79. Handelfmeter), 7:3 Schäfer (86.)
Schiedsrichter: Nemeth (Ungarn)
Zuschauer: 22.000

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